Das Leben ist schön

Am Black Rock und der Gorge Bridge

Nachdem wir von unserer Wanderung am River Oich so begeistert waren, hatten wir richtig Lust bekommen, in dieser Gegend noch weiter zu laufen. Markus hat daher für uns einen Rundweg um das Loch Oich geplant. Mit 17km Länge und über 500 Höhenmetern nicht ganz so leicht, aber wir waren das Wandern jetzt ja gewohnt. Tja, aber dann machte André mit einem richtig dicken Frühstück für Markus diesen Plan zunichte – Markus war so vollgefressen, dass er dieses Laufpensum nicht bewältigen wollte. Eine – etwas kürzere – Alternative musste also her.

Im letzten Jahr hatten wir schon mal den „Black Rock of Novar“ besucht und auf der Gorge Bridge stehend die tiefe Schlucht unter uns bestaunt. Das hat uns so gut gefallen, dass wir diese Alternative ins Auge fassten. Wir mussten ein Stückchen fahren dafür, der Ort, an dem der Weg beginnt, heißt Evanton und liegt zwischen Dingwall und Alness. Dort gibt es einen kostenfreien Parkplatz, den wir genutzt haben und – an einem großen Campingplatz vorbei – ging es in Richtung Natur.

Wir überquerten noch im Ort den Fluss „Glass“, gingen dann ein Stück Straße an ihm entlang, bis wir auf einem kleinen Pfad ans Ufer hinabstiegen.

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Der Fluss führt ziemlich braunes Wasser, das schmutzig aussieht, es aber nicht ist. Es ist gefärbt von dem Torf, über und durch den es geflossen ist, und das gibt dem Fluss seine dunkle Farbe.

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Auch hier ist uns an vielen Stellen aufgefallen, was wir schon öfters bemerkt hatten – viele große umgestürzte Bäume. Pragmatisch, wie die Schotten sind, wird das, was auf dem Weg liegt rechts und links abgesägt und weggeräumt, der Rest bleibt liegen.

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Es ging nun eine ganze Weile am Fluss entlang, der auch viele große Steine enthält – und so hab ich ein bisschen mit der Kamera gespielt und solche Bilder gemacht.

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Ein Stück weiter ging es dann etwas bergauf. Wir wollen ja zur Schlucht hoch. Der Weg ist aber nicht weit und auch nicht so sehr steil. Aber sehr feucht ist es. Die Schuhe werden schon ordentlich nass und schlammig. Markus wagt sich ganz nah an den Abgrund, mir wird ganz komisch im Bauch nur beim Zuschauen.

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Schließlich kamen wir an der Brücke an, die über die nun sehr enge und tiefe Schlucht führt.

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Wie steil es hier wirklich runtergeht, ist auf den Bildern gar nicht so gut zu erkennen, darum hat Markus mal ein kleines Video gedreht.

Überall dort im Wald wächst Bärlauch in großen Mengen. Er hat sich sogar bis auf die Wände der Schlucht gewagt.

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Später gingen wir noch ein Stück weiter, da dort noch eine zweite Brücke ist. Nein, nicht dieser umgestürzte Baum, auf den haben wir uns nicht getraut.

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Den Rückweg nahmen wir auf der anderen Seite des Flusses. Dort stehen an einer Stelle viele Skulpturen von einem Kettensägenkünstler. Überhaupt sahen wir, dass dort viele Aktivitäten im Wald sein müssen, denn überall lagen Holzstücke, große Scheiben von Bäumen etc. rum, die zum Handwerken geradezu einladen.

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Hier am Flussufer traute Markus sich dann doch noch auf einen umgestürzten Baum, der aber auch noch in deutlich besserer Verfassung war als der oben an der Brücke, und hier war auch das Wasser deutlich flacher. Trotzdem – reinfallen möchte man in diesen reißenden Fluss wirklich nicht.

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Ein paar Meter weiter sahen wir eine wunderschöne Holzhütte – und ein Mann winkte uns aufgeregt zu. Wir gingen also zu ihm und er erzählte uns vom Bau seiner Hütte, man merkte ihm richtig an, wie stolz er darauf war. Er zeigte uns alles, gerade war er dabei, die Wände zu bemalen mit Fröschen und deren Lebenszyklus. Wir fragten ihn auch nach den geschnitzten Tieren aus Holzstämmen im Wald, die wir dort im letzten Jahr gesehen hatten und er sagte uns, wer das gemacht hätte. Den Namen des Künstlers hab ich leider vergessen, aber diese Tiere hat er alle mit der Kettensäge aus Baumstämmen herausgesägt. Faszinierend.

Irgendwann gingen wir dann wieder zurück zum Auto und hatten damit unseren kleine, ca. 6km lange Runde beendet. Wir fuhren noch einkaufen und dann zurück nach Creag Mhor. Für den nächsten Tag nahmen wir uns dann die Runde um Loch Oich vor – aber es sollte anders kommen.

Ob es sein 7. Sinn war oder doch irgendwas im Unterbewusstsein hängen geblieben war, können wir uns nicht erklären. Aber Markus wollte unbedingt noch mal auf den Ausdruck der Fähre schauen, wann genau die geht – und bemerkte dabei, dass er nicht für den Sonntag gebucht hatte, wie wir die ganze Zeit dachten und wie wir auch das Zimmer gemietet hatten, sondern für den Samstag – und der war am nächsten Tag. Wir waren erst wie erstarrt und liefen dann aufgeregt wuselnd umher. André und Mathilda Bescheid geben, Sachen packen, Auto beladen – das musste jetzt auf die Schnelle erledigt werden. Das Packen ging dann zum Glück sehr schnell. André wollte uns sogar noch das Geld für den einen Tag zurückzahlen, aber das ging natürlich nicht, denn so kurzfristig hätte er es sein Zimmer für einen Tag sicher nicht mehr vermieten können und für unsere Dummheit lassen wir niemand anderen zahlen.

Als wir am Abend geschafft auf dem Sofa saßen, hatten wir uns mit dem Gedanken an eine verfrühte Heimfahrt doch schon gut gewöhnt. Einen zusätzlichen Tag frei in Deutschland statt sofort am nächsten Tag wieder arbeiten zu müssen, keine Eile, möglichst früh heimkommen zu müssen, kein „letzter Tag“, den man doch nicht mehr so genießen kann, weil man immer die Heimfahrt im Kopf hat – für uns war es ok, wie es lief und am Samstag Morgen nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von André und Mathilda und von Mac bis zum nächsten Jahr.

Die Fahrt nach Newcastle verlief ohne große Schwierigkeiten, wir kamen pünktlich an der Fähre an, genossen ein gutes, wenn auch echt teures Abendessen im Steakhaus des Schiffes und waren am Sonntag ausgeruht und frisch für den restlichen Weg bereit.

Wie immer haben wir unsere Zeit in Schottland sehr genossen und freuen uns schon auf das nächste Jahr.

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