Das Leben ist schön

Schottland 2014 – Die Founders Tour in Aberlour

Markus hatte uns für den Mittwoch bei Aberlour, einer interessanten Destillerie, für die Founders Tour eingetragen, eine extra lange Besichtigungstour durch die Destillerie, mit mehr Informationen, mehr Tastings, längerer Dauer als die gewöhnlichen Touren dort sind.

Aberlour ist im Städtchen Aberlour gelegen, und im Übrigen ist die Destillerie nicht der einzige Grund, dort hin zu fahren, denn zufälligerweise gibt es dort auch eine der bekanntesten und besten Shortbread-Fabriken, Walkers, natürlich mit Fabrikverkauf. Dort waren wir aber letzte Woche schon eingefallen und hatten unsere Taschen gefüllt, dieses Mal ging es wirklich um den Whisky.

Insgesamt 7 Personen hatten sich für die Tour angemeldet, noch zwei weitere Pärchen und ein junger Amerikaner. Unser Tourguide Jonathan begrüßte uns freundlich und wir begannen die interessante Tour im Fleming-House, einem wunderschönen alten Gebäude, das jetzt innen ganz neu wieder hergerichtet wurde. Mit einem erstem Dram, einer Kostprobe des Aberlour 12yrs, ausgestattet, erzählte uns Jonathan sehr viel von der Geschichte der Destillierie. Vom Gründer James Fleming, der sein Vermögen im und nach seinem Leben in den Dienst des Dorfes gestellt hat, von den Schicksalsschlägen, die die Destillerie heimgesucht haben bis zur Übernahme durch Pernod Ricard, mit der die Destillerie zu einer der ganz großen wurde und ihren Hauptabsatzmarkt in Euopa in Frankreich hat.

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Auch im großen Saal war schon für das anschließende Tasting alles vorbereitet, aber das musste noch warten. Jetzt ging es erst einmal durch die Destillerie. Da ein Pärchen aus Manchester dabei war, das noch nie in einer Destillerie war, hat Jonathan die Herstellung von Whisky ganz genau erklärt. Für uns, die wir das an die 30 Mal gehört haben, war das alles nichts neues, aber in jeder Destillerie gibt es natürlich Besonderheiten. Manche schwören auf hölzerne Washbacks, andere benutze flüssigen oder getrocknete Hefe, die Brennblasen sehen auch jedes Mal etwas anders aus. Und so machten wir unsere Runde, probierten auch mal vom Wash, das schon fast fertig vergoren war und kamen dann wieder in dem großen Raum zusammen, in dem übrigens noch der allererste Spiritsafe steht, der noch von Hand bedient wurde.

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Vor dem Tasting gab es aber erst noch verschiedene Stadien des Spirits zu sehen, riechen aber nicht unbedingt zu schmecken. Bei dem ersten Fläschchen konnte man noch genau die Kupferteilchen vom Inneren der Brennblasen sehen, die im Spirit gelöst waren. Auch die Faints, das sind die letzten Teile des Destilliervorgangs, die nicht mehr abgefüllt sondern noch mal mit den Low Wines gemischt und ein weiteres Mal destilliert werden, durften wir riechen – ein bisschen faulig, sehr starker Geruch nach Getreide, nichts, was man im Whisky haben möchte. Aber auch den Mittelteil des Destilliervorgangs, das Herz sozusagen, das dann auch wirklich in die Fässer gefüllt wird, durften wir erschnuppern und obwohl alles klare Flüssigkeiten mit Alkohol waren, war es erstaunlich, wie unterschiedlich sie aussahen und rochen – man konnte am Geruch erkennen, welches Zeugs das gute ist.

Beim Tasting gab es dann für jeden 4 Gläser, einmal den Spirit, so wie er in die Fässer gefüllt wird, dann den Aberlour 18yrs, dann zwei Whisky aus Einzelfassabfüllungen, einer aus einem Bourbon-Fass und einer aus einem Sherry-Fass. Wer in der Whiskyherstellung nicht so firm ist, dem sei gesagt, dass Whisky grundsätzlich immer in gebrauchten Fässern reift, die zum Teil dann auch mehrfach befüllt werden, erst nach ca. 30 Jahren ist ein Fass nicht mehr zu gebrauchen. Verwendet werden Eichenfässer aus Amerika, die oftmals in der Speyside Cooperage wiederaufbereitet werden, geflickt und frisch ausgebrannt werden, dann erst werden sie von den Destillerien frisch befüllt.

Zu jedem dieser Whiskys gab es ein Stück Schokolade, das zu dem entsprechenden Glas besonders gut harmonieren sollte, weil es spezielle Geschmacksnoten des jeweiligen Whiskys widerspiegelt. Während des Tastings gab Jonathan uns viele Hinweise auf Geschmack und Aroma der einzelnen Whiskys, und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich der Geruchssinn verstärkt, wenn man längere Zeit an verschiedenen Gläsern gerochen hat. Roch der New Spirit am Anfang noch total beerig, war es später so, dass man sehr stark die Gerste herausgerochen hat, als die Nase die Sherry- und Bourbon-Noten erfahren durfte. Der Whisky aus dem Sherryfass hat mir übrigens am besten geschmeckt, ein wunderbares Aroma, viele Trockenfrüchte und Toffee, ganz toll.

Als wir mit unserem Tasting fertig waren, kam noch ein ganz besonderes Schmankerl. Wir gingen in eins der Warehouses, wo die Fässer gelagert werden und durften einen 7jährigen Whisky direkt aus dem Fass probieren. Dafür hatte Jonathan extra ein paar kleine Gläschen mitgenommen, die wir dann später auch mitnehmen durften. Dieser Whisky, obwohl noch relativ jung, war schon erstaunlich gut und reich an Aromen. Da ich selbstverständlich immer nur genippt hatte und kein Glas geleert hatte – egal wie gut das Zeugs war – hab ich dieses Glas anschließend den langen Weg nach Hause balanciert und den Rest am Abend noch genossen.

Von den beiden Einzelfassabfüllungen wollten wir uns auch jeweils ein Fläschchen mitnehmen, und im Abfüllen von Whisky bin ich mittlerweile ein alter Hase, auch wenn es jedesmal etwas anders und natürlich immer etwas besonderes ist.

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Im Shop kauften wir dann zusätzlich noch eine Jubiläumsausgabe, so dass wir mit 3 Flaschen dort rausgingen und ca. 220 Pfund ärmer waren.

Ich hatte vorhin Walkers erwähnt, eine Shortbreadfabrik, die auch dort ansässig ist. Wir waren letzte Woche schon dort und hatten wunderbare Kekse gekauft. Aber auch in Huntly waren wir, bei Dean’s, einer anderen Keksfabrik, in der Markus die besten Käse-Kekse („Oat Nibbles“) der Welt gekauft hatte – nur wussten wir das zu der Zeit noch nicht und hatten von jeder Sorte nur eine Schachtel gekauft. Verfressen wie wir sind, waren die natürlich in nur wenigen Tagen alle und so machten wir uns direkt noch mal dorthin auf, wo wir eh schon in der Gegend waren und wollten noch ein paar Schachteln kaufen *hüstel*. Als wir mit unseren 4 großen Tüten voll gingen, waren die Regale leer, wir hatten an die 30 Schachteln Oat Nibbles mitgenommen, außerdem hab ich noch 6 Schachteln der leckeren Pecannuss-Shortbreads und auch noch Butterscotch Shortbread mitgenommen. Zu Hause angekommen hab ich mal nachgezählt, was wir an Keksen gekauft haben – abzüglich dessen, was schon aufgefressen ist – kam ich auf 8.810g. Uff…. damit sollten wir über die nächsten drei Wochen kommen.

 

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