Das Leben ist schön

Schottland 2014 – Schwimmen mit Robben

So nah liegen Pech und absolutes Glück manchmal beieinander. Da wir in den letzten Tagen mehr gefahren als gelaufen waren, wollten wir heute mal nicht ganz so faul sein und haben uns aus einem unserer Bücher eine mittelschwere Wanderung herausgesucht, die auch recht nah bei uns war (nah ist hier alles unter 100km). Wir wollten eine Wanderung durch Culbins Forest machen. Der Wald – ganz nah am Strand bei der kleinen Stadt Findhorn gelegen – ist ein künstlich angelegter Wald, der auf einer 30m hohen riesigen Düne angepflanzt wurde. Der Rundwanderweg war mit 13,8km von moderater Länge, auch für uns Ungeübte gut zu schaffen, und im Gegensatz zu der Wanderung um Loch Affric war der Weg hier deutlich weniger steinig und auch relativ eben. Ein Teil des Weges, ca. 3km, ging am Strand entlang. Wir hatten die Karte dabei, das GPS mit Wegpunkten bestückt, es konnte nichts schiefgehen.

Wir hatten das wunderbarste Wanderwetter, das man sich vorstellen kann. Die Sonne schien, die Temperaturen kletterten auf 20 Grad – einfach perfekt. Und so strahlte die Sonne durch das frische Grün und wir starteten auf den gut ausgebauten Wegen.

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Nach ca. 3,5km machten wir an einer kleinen Bank unsere erste Pause. Hier sah man sehr schön, wie tief die Bäume im Sand der Düne stecken, teilweise bis 5m tief, bevor die Wurzeln beginnen.

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Mittlerweile haben diese Fotos bei uns Kultstatus erreicht und keine Wanderung ohne Schuhbilder 🙂

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Nach ein paar Kreuzungen, die im Buch aber sehr gut beschrieben waren, kamen wir ans Meer. Hier liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Ort Findhorn – und zwar das neue Findhorn. Das ursprüngliche Dorf hielt den Witterungen nicht stand und wurde von der Natur unter Sand und Steinen begraben.

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Wir hatten nun knapp die Hälfte unseres Weges geschafft und mussten jetzt den Strandteil bewältigen. Dort läuft es sich naturgemäß mit den dicken Wanderschuhen nicht so gut wie auf den schönen Waldwegen, und darum wollten wir – zumal auch gerade Mittagszeit war – am Strand eine längere Pause einlegen.

Auf einer kleinen Sandbank, die ins Meer ragte, sahen wir auf einmal dicke Gestalten rumlümmeln – Robben!!! Ich hab mich so gefreut. Die ganze Zeit, wenn wir an der Ost- und Westküste waren, hielt ich schon nach Robben Ausschau, nie hatten wir welche gesehen und hier am Strand, so ganz unerwartet, eine ganze Gruppe. War das schön! In ca. 50m Entfernung gingen wir an ihnen vorbei.

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Neugierig verfolgten sie uns mit ihren Blicken, die kleinen machten ihre typischen heulenden Geräusche, es war einfach großartig. Wir wollten die Gruppe natürlich auch nicht stören, und so liefen wir noch ein ganzes Stück weiter, bis wir an ein etwas steinigeres Stück kamen, wo wir uns niederließen. Aber vorher rasch noch zwei Bilder von der wegbrechenden Düne, die natürlich auch die Bäume, die dort wuchsen, mitgenommen hatte.

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Heute war aber Ebbe und wir hatten einen ganz schön weiten Weg zum Wasser. Herrlicher Sonnenschein, angenehme Wärme, das schreit geradezu nach einem kleinen Bad im Meer, oder? Das Wasser war hier sehr klar und Markus war der erste, der rein ging. Ich zierte mich noch ein wenig, weil ich natürlich keine Schwimmsachen dabei hatte, aber wir waren total allein an dem riesigen Strand, also Klamotten runter und ab in die Fluten.

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Ich war noch dabei, mich auszuziehen, als Markus wieder rauskam und mich angrinste. Als er im Wasser stand, schwamm plötzlich ein großer dunkler Schatten an ihm vorbei – eine Robbe. Ein Auftauchen Aug-in-Aug, die Robbe war mit ihrem Gesicht keinen Meter von Markus entfernt, dann erschrak sie aber über ihren Mut und zack, war sie wieder weg. Das wollte Markus mir natürlich gleich erzählen, ich hatte die Begegnung vom Strand aus auch gesehen und das war für mich dann auch das Signal, ins Wasser zu gehen. Puh, ganz schön kalt in der Nordsee. Allerdings muss ich sagen, nicht ganz so kalt wie Loch Ness, in das ich ja vor ein paar Tagen schon mal die Füße getaucht hatte.

Zweimal gingen wir ins Wasser, aber so nah kamen die Robben um uns herum nicht mehr an uns ran, sie hielten ca. 20m Abstand. Aber immer wieder konnten wir ihre Köpfchen aus dem Wasser aufragen sehen.

Irgendwann wurde es uns doch zu kalt und wir gingen wieder auf unsere Steine zurück und ließen uns trocknen. Nachdem wir wieder angezogen waren, ging es weiter am Strand entlang, wir hatten noch gut 1,5km Strandweg vor uns.

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Als wir einen Abschnitt erreichten, der von Gras überwachsen war, kamen wir wieder auf einen Waldweg zurück und wir liefen weiter.

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Ein paar Kilometer hatten wir noch vor uns und bei der Wärme machte sich leider so langsam aber sicher ein immer drängenderes Durstgefühl breit. Wir hatten leider versäumt, eine Flasche Wasser mitzunehmen und so mussten wir immer durstiger doch noch an die 5km laufen.

Während des Laufens änderte sich immer mal wieder die Landschaft und wir wunderten uns, dass auf diesen Dünen mittlerweile sogar richtige Moosteppichen wuchsen.

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Ganz am Ende des Weges, kurz vor dem Parkplatz, sahen wir dann tatsächlich auch noch etwas von dem gepriesenen Wildleben im Wald, das der Reiseführer so schön beschrieben hatte. Ein kleines Eichhörnchen kreuzte unseren Weg – viel zu schnell, um es zu fotografieren und eine kleine Kröte hockte mitten auf dem Weg und blieb auch einfach so sitzen, Markus wäre beinahe drübergestolpert.

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Das war dann aber auch das letzte Foto, gegen halb 5 waren wir wieder am Auto, fuhren damit an die nächste Tankstelle („DURST“) und dann ganz gemütlich Richtung Inverness und Drumnadrochit. Da Fiddlers noch nicht offen hatte, als wir um 20 vor 6 dort ankamen, gabs zum Abendessen – wieder mal – Sandwiches. Ich hatte fertige Nudelsalate, nicht ganz schlecht, aber Sandwiches sind besser. Und jetzt verbringen wir den Rest des Abends in unserer Lounge mit Blick auf Loch Meiklie und stimmen uns schon mal auf die Führung durch die Destillerie Aberlour morgen ein.

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