Das Leben ist schön

Schottland 2017 – Wandern am Glen Affric

Unsere Glen Affric Runde machen wir eigentlich jedes Jahr – aber dieses Jahr waren wir mehr auf Berge fixiert.

Nachdem wir letzte Woche bei Sturm, Regen und Hagel tatsächlich den Mam Sodhail bezwungen hatten, aber den Carn Eige nicht erreicht hatten, wollten wir heute – bei strahlendem Sonnenschein – einen zweiten Versuch wagen, aber dabei eine andere Route nehmen. Diese hätte uns zu 4 Munros geführt.

Das Wetter sollte den ganzen Tag so schön sein, und tatsächlich, als wir am Car Park vom Glen Affric ankamen, stand kein Wölkchen am Himmel.


Unser Weg war das erste Stück genau so wie letzte Woche, den Hauptweg rechts vom Loch Affric entlang, dieses Mal allerdings nur bis zu den Häusern und der neuen Brücke. Auf dem Weg dorthin konnte ich Fotos von einem spiegelglatten See machen.


Der Weg, der dann nach rechts oben ab ging, war schon relativ steil, aber von guter Qualität. Markus hatte die Route über „Walking Highlands“ gefunden, in das Programm Base Camp geladen, noch einen kleinen Teil rausgeschnitten und dann auf unsere kleine ETrex GPS Geräte geladen. Hier hatten wir nun, als wir die Route als Ziel eingegeben haben, jede Menge Wegpunkte im Abstand von 30 – 300m, so dass man eigentlich nicht viel verkehrt laufen konnte. Als wir gerade ansetzen wollten, auf dem steilen Weg zwei Frauen zu überholen, stellten wir fest, dass unser nächster Wegpunkt nicht auf diesem Weg lag sondern nach links abging. Dumm nur, dass dort kein Weg zu sehen war. Sollten wir also wieder komplett durch die Wildnis stapfen? Auf den beiden kommenden Bildern sieht man übrigens unsere erste Etappe, diesen Berg, den Sgurr na Lapaich, wollten wir als erstes erklimmen.


Zwischendurch hatte ich immer mal einen Blick zurück geworfen. Auf unserer letzten Wanderung hier hatten wir nicht viel vom Affric gesehen, weil wir zwischen zwei Bergen hochgestiegen waren. Das war heute anders und bei diesem schönen Wetter waren die Farben des Sees auch so wunderschön.


Wie man gut sehen kann, mussten wir tatsächlich vom Weg runter und durch feuchtes Gras und hohe Heide waten. Das lief sich nicht so sehr gut, dieses Mal bin ich aber nicht beim Abstieg sondern beim Aufstieg gestürzt, und mir ist zum Glück auch nichts passiert.

Da der Weg sehr beschwerlich war, immerhin ging es in diesem unwegsamen Gelände, wo wir uns wieder einen Weg suchen mussten, auch recht steil hinauf, machten wir immer mal wieder ein paar längere Pausen, die ich dann auch zum Fotografieren nutzte.


Wir waren nur im T-Shirt unterwegs, es war richtig schön warm heute – fast schon zu warm. Und die Sonne brannte gnadenlos herab, nirgendwo fanden wir Schatten. Ab und zu mussten wir auch kleinere Bäche überqueren.


Immer mal wieder schauten wir auch auf unser Endziel.


Da wir keinen direkten Weg hatten sondern immer nur unsere Wegpunkte, mussten wir uns selbst die gut gangbaren Stellen suchen.

Ca. 6km sind wir hier gekommen.


Und dann zeigte das Navi gerade aus hier hoch – auch wenn man es auf dem Foto kaum erkennen kann, es ging hier fast senkrecht hinauf. Auf allen Vieren krabbelte ich, jeder Blick zurück ein Schock, wo ich doch wirklich unter Höhenangst leide.


Nie und nimmer glaubte ich, hier hoch zu kommen. Nicht der Kraft wegen. Klar war es anstrengend, aber ich war bis dahin eigentlich ohne größeres Gepruste bis hier hin gekommen. Aber ab dieser Stelle hatte ich wirklich Angst. Wir hatten anfangs beschlossen, kein Risiko einzugehen und dieser „Nicht-Weg“ erschien mir so risikoreich – ich bin jemand, der wirklich ständig hinfällt – dass ich zu Markus gesagt habe, dass mir nicht wohl ist und dass ich da nicht hochgehen werde.

Ihm war es, wie mir schien, ganz recht. Markus hat zwar keine Höhenangst und wäre das Stück ohne Probleme gelaufen, aber er hatte mit der fehlenden Ausdauer zu kämpfen und musste längere Pausen machen als ich. So kam ihm das wohl ganz entgegen, als ich hier nicht mehr weiter wollte.


Wir zogen uns an eine Stelle an den Rand zurück, wo wir einen wunderschönen Blick auf das Tal, das Loch Affric und Loch Beinn a’ Mheadhoin hatten.


Atemberaubend. Und das bei diesem Wetter! Ein Traum. Wir machten hier eine längere Pause, legten uns ins Gras und genossen die Sonne – sogar ein wenig zu sehr, denn wir beide zogen uns an allen unbedeckten Stellen einen heftigen Sonnenbrand zu.


Nach einer halben Stunde brachen wir wieder in Richtung Auto auf. Den Rückweg fanden wir relativ leicht, wir konnten auf dem GPS einfach die Route umkehren und wurden so in die entgegengesetzte Richtung geleitet – perfekt. Und den besten Weg hatten wir auf dem Hinweg ja schon gefunden.

Trotzdem waren wir auch hier vor Unfällen nicht sicher. Ein kleiner Heidebusch, der über einem tiefen Loch wuchs und dieses verdeckte – und ausgerechnet dort musste Markus reintreten, und bei dem Schwung den er hatte stürzte er natürlich heftig. Zum Glück war die Landung weich gepolstert, das dicke Moos, Gras und die Heidekräuter haben seinen Fall gut gedämpft. Wir schauten uns hinterher noch mal das Loch an, und ja, bis zum Oberschenkel tief war es.


Gut, dass alles glimpflich ausgegangen war.

Am Ende des Tages hatten wir statt 24km nur 12km auf der Uhr und auch nur 550 Höhenmeter, ein eher gemächlicher Spaziergang also. Ich war natürlich super enttäuscht, dass wir nicht den ganzen Weg gegangen waren. Dabei hatte ich mich wirklich gründlich umgeschaut, ob es einen Alternativweg gäbe, aber leider habe ich nichts gangbares gefunden, und Markus schien auch so ganz glücklich zu sein. So ganz besiegt hat uns der Carn Eige aber noch nicht – nächstes Jahr werden wir einen neuen Versuch starten, den Berg zu bezwingen 🙂 Ich freue mich schon drauf.

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