Das Leben ist schön

Im Glen Affric

Die Affric-Runde hat sich in unseren Schottland-Urlauben bereits einen Stammplatz erschlichen. Zum 5. Mal sind wir in diesem Jahr hier oben und nur in einem Jahr haben wir die Runde ausfallen lassen.

Vorgestern abend deutete noch nichts darauf hin, dass wir am Samstag wirklich 18 Kilometer bergauf und -ab laufen würden, aber ein Blick aus dem Fenster vor dem Frühstück: Das ist reines Affric-Wetter. Also rein in die Wanderschuhe und losgefahren.

Von Creag Mhor aus liegt Loch Affric ca. 20km westlich. Vom Wohnzimmerfenster aus kann man einige Berge sehen, die dieses schöne Tal umgeben. Schon der Weg dort hin ist wunderschön. Man kommt zuerst am Loch Beinn a‘ Mheadhoin vorbei, der wunderschön von allen Seiten begrünt ist. Durch beide Seen fließt der Fluss Affric. Wenn man die Runde um Loch Affric gehen möchte, kann man mit dem Auto dort direkt zwischen diesen beiden Seen parken, mittlerweile werden Parkgebühren von 2 Pfund pro Tag erhoben.

Etwas wollten wir anders machen in diesem Jahr. Normalerweise laufen wir den Weg immer gegen den Uhrzeigersinn, fangen also auf der rechten Seite an und kommen dann links wieder am Parkplatz an. Das ist aber eigentlich ziemlich ungeschickt, denn auf der linken Seite ca. 4km lang vom Parkplatz aus hat man ein ziemlich langweiliges Stück zu laufen, das auch ständig steil bergauf und bergab geht. Wenn man das am Ende der Runde macht, ist das wirklich anstrengend und macht den Spaß am Ende noch ein bisschen kaputt. Dieses Mal haben wir diesen Teil also an den Anfang gelegt und sind – zuerst über die Brücke über den Affric – nach links gegangen und von dort gestartet.

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Kurz hinter der Brücke beginnt der Teil, der sich wirklich lange hinzieht, weil man hier selten einen schönen Ausblick hat. Aber ein paar nette Fotos konnten wir dann doch machen. Die Wege sind hier relativ rau, mit dicken großen Steinen drin, an denen ich gern mal mit den Schuhen hängenbleibe. Wenn man das läuft, wenn man die Beine sowieso kaum noch hochbekommt, ist es noch schwieriger. Jetzt am Anfang ging es aber und wir spulten nur so unsere Kilometer ab.

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Bald konnten wir auf der anderen Seite dann auch das Haus „Affric Lodge“ sehen, wo im Prinzip das Loch Affric beginnt.

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Das Wetter war nicht mehr ganz so schön wie am Morgen, aber zum Wandern war es perfekt. Es war relativ frisch, aber trocken und nicht ganz so sehr windig, sehr angenehm zum Laufen. Und immer wieder schneebedeckte Berge im Hintergrund. 5 Munros kann man im Glen Affric besteigen. Munros sind die Berge, die über 3000ft hoch sind, also ca. ab 914m. Davon gibt es in Schottland 283 Stück, zusammengetragen wurden sie schon 1891 von Sir Hugh Munro. Das Munro-Bagging in Schottland ist natürlich ein beliebter Sport, also das „Sammeln“ aller dieser Gipfel. Wir haben erst einen einzigen bestiegen, nämlich den allerhöchsten, den Ben Nevis mit 1344m Höhe.

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Das Affric-Tal ist bekannt für seine natürliche Pinien-Population. Vielen Bäumen sieht man aber an, wie stark die Winde durch dieses Tal wehen. Immer wieder kann man schief gewachsene Bäume sehen.

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Wann immer wir dort gelaufen sind, haben wir neue Pflanzen entdeckt. Dieses Jahr so komische Puschelblumen.

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Relativ schnell, nach ca. 6km schon, kommt man an das Ende vom Loch Affric an. Hier sind wir schon hinabgestiegen und schwimmen gegangen, es ist der einzige schöne „Strand“ an diesem See. Aber dafür war es uns dann dieses Mal doch zu kalt. Der Abstieg ist auch ziemlich schwierig, weil hier viel Heidekraut wächst und man oftmals in tiefe Löcher tritt, außerdem ist der Hang, auch wenn man es so nicht sieht, extrem feucht, es kann gut passieren, dass man so tief einsinkt, dass man bis zu den Waden nass ist.

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Das Ende vom Loch Affric ist allerdings noch nicht der Wendepunkt des Weges. Irgendwie muss man über den Fluss Affric ja drüber kommen. Ein paar Kilometer weiter ist aber eine große Brücke und man kann trockenen Fußes den Affric überwinden. An der Stelle waren wir dann 8,5km gelaufen.

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Rechts oben an der alten Hütte mit dem romantischen Namen Strawberry Cottage fanden wir die einzige Bank auf diesem Weg – und da wir fast Halbzeit hatten, haben wir an der Stelle eine kleine Pause gemacht, unser Wasser getrunken und ich hab auch 2 Kekse gegessen, die mir schnell wieder Energie gegeben haben. Was ich ganz vergessen hatte zu erwähnen ist der nächste Vorteil für diese Richtung des Weges. Fast alle anderen Leute laufen den Weg gegen den Uhrzeigersinn, kommen uns also entgegen. Da wir samstags gelaufen sind, war doch verhältnismäßig viel Betrieb auf dem Parkplatz – auf unserer Route kamen uns dann später auch viele Wanderer entgegen. Aber eben entgegen, sie sind dann auch schnell wieder weg, was nicht so ist, wenn man im großen Pulk läuft und sich ständig gegenseitig überholt. Das fällt mir gerade ein, weil uns nämlich an dieser Bank auch ein paar Wanderer (mit einigen Hunden und Kindern) über den Weg liefen, die wir ungern vor oder hinter uns gehabt hätten. Für die kurze Pause war das aber ok.

Kurz hinter dem Strawberry Cottage kommt dann die Stelle, wo die Weggabelung ist und man nach rechts umschwenken muss, um quasi den Rückweg anzutreten. Das ist auch die Stelle, an der wirklich Halbzeit ist, 9km sind hier vorbei.

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Ab hier wurde der Weg auch deutlich feuchter. Hatten wir vorher einen relativ gut ausgebauten Wanderweg mit zwar vielen Steinen drin aber immerhin trocken, so wurde der Weg hier oftmals so schmal, dass man nur hintereinander gehen konnte. Und an vielen Stellen war der ausgetretene Weg so schlammig oder von dicken Pfützen durchbrochen, dass man mühsam am Rand heraufklettern und außen rum gehen musste. Dieses Stück, das nun noch ca. 6 Kilometer anhielt, war relativ ermüdend. Aber der Blick auf die uns umgebende Landschaft entschädigt für vieles.

Hatte ich schon geschrieben, dass diese Seite des Affric viel feuchter ist? Sehr viel feuchter. Hier sieht man überall kleine Bäche aus den Bergen herunterfließen. Und natürlich kreuzen sie ständig unseren Weg.

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Bei einer Stelle wussten wir schon, dass wir ein bisschen über Steine balancieren mussten, um über einen kleinen Wasserlauf zu kommen. Aber in diesem Jahr war dieser kleine Wasserlauf auf einmal viel viel tiefer als in all den Jahren zuvor. Das ist uns schon an vielen Stellen aufgefallen, dass die Flüsse viel mehr Wasser enthalten als sonst. So auch hier. Wir wussten, wir müssen da durch – aber lange sind wir hin und her gelaufen um zu schauen, wo wir den Bach durchqueren konnten.

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Zu zweit haben wir es dann an der rechten Seite versucht und kamen, indem wir uns gegenseitig festgehalten haben, endlich über das Wasser, ohne allzu kalt oder nass zu werden. Was für ein Ding.

Unterwegs trafen wir immer mal wieder ein paar Wanderer, mit denen wir ein paar kurze Worte wechselten. Ich hatte übrigens mein GPS mitlaufen, dass die gelaufenen Kilometer mitzählt sowie Lauf- und Ruhezeiten.

Ein bisschen hatten wir noch vor uns und wir verkürzten uns die Zeit gelegentlich damit, auszurechnen, wie weit wir noch laufen mussten. Nein, nicht die Anzahl der Kilometer, sondern welcher Bruchteil der 18km wir erreicht hatten. Dabei waren 6, 9 und 12 die harmlosesten Zahlen 🙂

Immer, wenn wir einen gemütlichen Stein erreichten, hielten wir kurz an, tranken einen Schluck Wasser oder machten einfach ein paar Fotos. Und hier sieht man auch, wie schlammig der Weg teilweise war.

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Bei Punkt Kilometer 12 also 2/3 des Weges erreichten wir eine kleine Brücke, an der wir auch in den anderen Jahren immer Pause gemacht hatten. Hier läuft ein ziemlich großer Bach den Berg hinab.

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Und hier war auch die Stelle, wo ich eines unserer beliebten und berühmten Shoefies gemacht habe. Pro Urlaub muss mindestens ein Shoefie sein. Und dieses hier – ein Doppelpack – ist mit der längeren Belichtungszeit über dem strömenden Wasser besonders hübsch geworden.

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Auf, packen wir es an. Die letzten 6km liegen noch vor uns, wir sind aber noch gut zu Fuß und laufen und laufen und laufen. Immer wieder finden wir schöne Bilder, die wir einfach festhalten müssen.

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Und immer wieder finden wir aber auch viel Wasser, durch das wir irgendwie hindurch müssen. Das hier war einmal der Weg, nun ist er überflutet und wir müssen eine ganze Weile oben auf dem Gras langlaufen.

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Kilometer 14 ist bei mir dann immer der Knackpunkt, wo ich keine große Lust mehr habe weiterzulaufen. Dieses mal habe ich aber immerhin bis 17,5 ausgehalten ohne groß zu jammern. Was ein dritter Vorteil an dieser Richtung ist, man sieht das Ende nahen. Ca. 2km vor dem Parkplatz sieht man schon die Autos durchblitzen und weiß, bald haben wir es geschafft. Auf dem nächsten Foto sind es aber schon nur noch 800m, man sieht ja schon die Brücke, über die wir ganz am Anfang gelaufen sind. Der Parkplatz ist nun wirklich nicht mehr weit.

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Wir wussten, dass der Weg ca. 18km lang ist. Dass er haargenau 18km lang ist, das hat uns irgendwie doch überrascht. Für die Statistikfans unter Euch gibt es nun noch ein Bild von meinem GPS. Die maximale Geschwindigkeit hat mich aber überrascht, denn ich renne bestimmt nicht 21,5km/h schnell durch die Gegend 😉 Hier habe ich wohl einfach ein bisschen zu sehr geschlenkert und der Schwung hat für diese enorme Zahl gesorgt. Im Durchschnitt sind wir mit 4,6km/h gelaufen, was ich für das beständige Auf und Ab nicht so schlecht finde. Man muss aber dazu sagen, dass Pausenzeiten nicht in die Durchschnittsgeschwindigkeit einfließen. Knapp 4 Stunden Laufzeit hatten wir und 1 Stunde und 11 Minuten für kleinere Pausen, für Fotos, für Wege-durchs-Wasser-suchen oder auch mal Pipi machen.

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Unsere Affric-Runde ist wirklich der Klassiker unserer Schottland-Urlaube und ich denke, wenn das Wetter einigermaßen passt, werden wir diese Runde auch im nächsten Jahr wieder laufen.

Wer es bis hierher geschafft hat, für den habe ich nun noch ein kleines Goodie. Meistens unbemerkt hat Markus von mir kleine Videos gedreht, natürlich immer dann, wenn zu erwarten war, dass ich irgendwo ins Wasser falle oder sonstwie Dummheiten mache. Zwei davon zeige ich Euch hier wider besseren Wissens mal 😉

 

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2 Kommentare

  1. Anja

    Oh Kerstin auch mal in Bild und Ton 🙂
    Euer Wanderungen sehen verlockend aus!
    Und viel Spaß mit dem neuen „Spilezeug“ 🙂 Ich hoffe, ihr habt genug Platz im Auto aufm dem Rückweg 😉

  2. Meli

    Wow…was eine Bestellung! hoffentlich kriegt ihr die ins Auto! Grins!

    Wieder wunderbare Fotos!!
    Die Shoefies find ich total witzig! 😉

    Genießt Eure Tage!!!

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