Das Leben ist schön

Robben am Moray Firth

Schon wieder drei Tage sind vergangen, in denen wir aber nicht auf der faulen Haut gelegen haben, sondern doch wieder einige Strecken von mittlerer Länge gelaufen sind.

Am Dienstag hatten wir uns wieder einmal Loch Meiklie vorgenommen. Das ist der kleine See, den man von unserem Fenster aus in herrlicher Pracht und jeden Tag in einem anderen Erscheinungsbild sehen kann.

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Wir haben das Loch schon mit dem Fahrrad und zu Fuß umrundet, was eigentlich eine schöne Runde ergibt, wenn man nicht einen großen Teil des Rückweges an der Straße entlang – natürlich ohne Fußweg – laufen müsste. Das hat uns beim letzten Mal gar nicht gefallen und so haben wir eine andere Route gewählt. Es gibt den flachen Weg um Loch Meiklie und einen, der höher liegt und einen Aussichtspunkt auf das Loch hat. Letzteren wollten wir dieses Mal gehen und vielleicht sogar noch über die Baumgrenze hinweg steigen auf die umliegenden Hügel. Markus hatte einen schönen Weg auf seinen neuen Karten für das IPhone geplant und wir fuhren mit dem Auto auf den Parkplatz und liefen von dort aus los.

Der erste Kilometer war ziemlich anstrengend, denn er ging steil bergan, aber nach diesem einen Kilometer wurde der Weg deutlich flacher und angenehmer zu laufen. Am Aussichtspunkt angekommen, sahen wir aufgrund der inzwischen hochgewachsenen Bäume fast gar nichts vom See. Das war sehr enttäuschend.

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Bald kam aber die Abzweigung auf den Berg hoch, aber da sind wir leider nur ca. 200m weiter gekommen und standen auf einmal mitten in Baumfällarbeiten, wo wir natürlich aufgrund der Gefahr nicht weiter durften. Und Bäume fällen, das können die Schotten. Uns gefällt es nicht so gut. Wenn hier Bäume gefällt werden, dann werden die nicht in einem Waldstück selektiert sondern es wird einfach ein kompletter Wald gerodet, was furchtbare Einschnitte in die Landschaft bedeutet. Vor ein paar Jahren, als wir das erste Mal hier waren, ist uns das nicht so sehr aufgefallen, aber in der Hinsicht hat sich anscheinend viel getan. Überall sieht man die gerodeten Waldstücke mittendrin am Hang.

Unsere Enttäuschung war wirklich sehr groß, aber Markus hatte sich schnell eine Alternativroute überlegt und die sind wir dann gegangen. Viel gesehen haben wir auf unserem Spaziergang leider nicht. Hin und wieder ist uns ein besonders gewachsenes Bäumchen aufgefallen.

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Ab und zu haben wir seltsame Gesteinsformen sehen können, und auch ein Reh sprang über unseren Weg.

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Auf dem Weg zurück sind wir dann den unteren Weg gegangen und konnten noch mal kurz einen Blick auf Loch Meiklie erhaschen.

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Auch das Haus von André war in weiter Entfernung zu sehen sowie natürlich der allgegenwärtige Ginster.

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Am Ende der Wanderung standen immerhin 12km auf der Uhr, das hat uns für den Tag dann auch gereicht.

Der Mittwoch kam und nach unserem wie immer hervorragenden Frühstück fuhren wir Richtung Nairn.

Rehe sind hier in Schottland sehr häufig anzutreffen, ein besonders hübsches Exemplar starrte uns direkt nach dem Haus in die Augen, bevor es aber Angst bekam und weglief.

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Kurz hinter der Stadt Nairn, die am offenen Teil des Moray Firth liegt, ist ein kleines Waldstück, das dafür berüchtigt ist, dass dort Leute sich verirren. Wir hatten vorgesorgt, Markus hatte seine Karten dabei, ich hatte mein Büchlein mit der Wanderung einstecken, das GPS-Gerät war auch wieder dabei und so liefen wir durch den östlichen Teil des Culbin Forest bis zur Findhorn Bay. Das Besondere am Culbin Forest, benannt nach Lady Culbin, ist, dass der Wald auf Sanddünen angepflanzt wurde. Wir hatten den Wald auch im letzten Jahr schon besucht und sind den gleichen Weg gegangen. Dass wir ihn dieses Jahr wieder laufen wollte, hatte einen ganz bestimmten Grund: Robben. Am Strand haben wir im letzten Jahr viele Robben in freier Wildbahn gesehen und waren so fasziniert von diesen Tieren, dass wir sie wiedersehen wollten.

So weit waren wir aber noch nicht. Immerhin mussten erst mal ein paar Kilometer durch den Wald zurückgelegt werden und schon an den Wegen und in den Waldstücken sah man, dass der Boden sehr sandig ist.

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Im Wald haben wir auch die heimische Tierwelt betrachten dürfen. Es müssen hunderte Ameisenhügel gewesen sein, auf denen dicke Waldameisen ihren Geschäften nachgingen.

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Den Ginster, der im Moment in voller Blüte steht und herrlich duftet, sieht man hier einfach überall, auch auf unserem Weg standen unzählige Büsche.

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Bald kamen wir an der ersten Bank von Lady Culbin vorbei.

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Von dort aus war es dann auch nicht mehr weit zu ihren berühmten „buried trees“, also begrabenen Bäumen. Die Bäume hier sind teilweise mehrere Meter unter Sanddünen begraben und wachsen dennoch oben raus.

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Auch Stechpalmen haben wir hier im Wald gesehen.

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Und nach ca. 5 Kilometern konnte man dann endlich zum ersten Mal das Meer erahnen.

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Ein langer Strand lag vor uns, den wir noch durchqueren wollten.

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Auf der anderen Seite der Findhorn Bay sahen wir schon eine große Gruppe Robben. Leider gibt es aber unter den Menschen immer wieder große Idioten. Zwei dieser Exemplare scheuten sich nicht, die scheuen Tiere ins Meer zu jagen, ganz egal, ob groß oder klein. Wie groß muss die Angst dieser Tiere gewesen sein, so schnell sie konnten, robbten sie ins Meer  und damit in Sicherheit.

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Alle diese Tiere haben sich dann aber einen neuen Platz gesucht – und zwar auf unserer Seite. Wir sind nur so weit herangegangen, bis erste Zeichen der Aufregung bei den Tieren entstand und gingen dann wieder etwas zurück. Und mit Teleobjektiv und teilweise ausgeschnitten sind dann doch noch schöne Bilder entstanden. Den Anfang machten diese beiden Gesellen.

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Am hinteren Teil des Strandes konnte man auf faszinierende Weise sehen, wie Wind und Wellen die aufgeschichteten Dünen schon wieder abtragen aber auch, wie tief die Wurzeln der Bäume hier ins Erdreich gehen.

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Und dann kamen endlich die Robben. Große kleine, dunkle, bunte und das von einer solch großen Zahl, dass wir sie nicht zählen konnten. Auch im Wasser waren immer noch viele Tiere, die immer mal wieder neugierig rausguckten. Es war einfach so schön. Es waren weit über 100 Tiere, die kleinen heulten, die großen machten Grunzgeräusche, immer wieder drehten sie sich hin und her und schauten zu uns rüber.

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Von sicherer Entfernung aus beobachteten wir die Tiere, die uns so viel Spaß bereiteten.

Je weiter wir vorankamen, desto mehr veränderte sich die Landschaft. Hier sah man, dass sich der Sand schon so fest gedrückt hatte, dass große Teile davon rausbrechen konnten und steinartige Strukturen schufen.

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Nach ungefähr der Hälfte des Strandweges machten wir unsere erste kleine Pause und Markus testete mal die Wassertemperatur. Im letzten Jahr waren wir hier nämlich schwimmen gegangen. Allerdings war die Lufttemperatur mit ca. 9° begleitet von einem heftigen Wind einfach zu kalt, um ins Wasser zu gehen und so blieben wir einfach sitzen und beobachteten die Robben, die dort immer hin und her schwommen.

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Der Strand war weiter unten fein sandig, aber oben auch mit vielen Steinen, toten Krebsen, Muscheln und Schneckenhäusern übersät. Wir guckten uns die schönsten Steine und Muscheln aus und nahmen sie mit.

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Außer uns war kein Mensch am Strand. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie überlaufen der im Sommer ist. Obwohl… der Weg dorthin ist ja schon ein ganzes Stück zu Fuß zu laufen, denn mit dem Auto darf und kann man die Wege wohl nicht fahren.

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Breit, einsam und leer und mit einer frischen Brise – so mag ich Strände.

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Nach ein paar Kilometern durch den feuchten Sand ging es dann wieder in den Wald zurück und auf breiten Wegen kamen wir zum Auto zurück. Auch hier hat man wieder viele von Moos überwachsene wunderschöne alte Bäume gesehen. Auch nach dieser Wanderung standen rund 12km auf meinem GPS, eine schöne Runde, gerade lang genug.

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Wieder zu Hause habe ich es nun geschafft, ein kleines Video von den Robben hochzuladen, das ich Euch nicht länger vorenthalten möchte.

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1 Kommentar

  1. Meli2006

    Ach ist das eine Idylle!
    Die Robben, das Meer, der Strand! Schön habt ihrs in Schottland! 🙂

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