Das Leben ist schön

Schottland 2010

Schon lange wollte Markus mal wieder nach Schottland, das er vor 14 Jahren das letzte Mal – damals noch ohne mich mit einem Freund – besucht hat. Dass Schottland für sein unbeständiges Wetter bekannt ist, hielt mich aber immer davon ab, meinen Jahresurlaub dort zu verbringen. Ich wollte keine zwei Wochen Regen. Aber irgendwann ließen mich seine Beschreibungen von der rauen Landschaft, dem satten Grün und den hohen Bergen nicht mehr los und dieses Jahr starteten wir in Richtung Norden.09.05.2010
Wir sind am Sonntag nach Dünkirchen gefahren, haben unser – in weiser Voraussicht vorher gebuchtes – Hotel auch relativ schnell gefunden, konnten es aber aufgrund eines Radrennens, das durch die Innenstadt führte, erst zwei Stunden später erreichen – zuvor sind wir durch sämtliche Gässchen des Ortes gefahren und konnten uns auf maximal 700m nähern – zuviel für Highheels in Verbindung mit schweren Koffern.

10.05.2010
Am nächsten Morgen gings mit der Fähre nach Dover und dann gings los mit dem Linksverkehr. Markus kam aber gut zurecht. Zuerst waren wir noch in Crayford in seiner Firma, dort hatte uns ein Kollege einen Internetstick gekauft, damit wir hier ins Netz können – das war, bevor wir wussten, dass die hier alle WLAN haben und auch so freundlich sind, uns das zur Verfügung zu stellen.

Dann ging’s Richtung Edinburg, eine Fahrt von ca. 600km. In einem kleinen Ort namens Dunbar, 30km vor Edinburg, haben wir dann die Nacht verbracht, waren toll beim Inder essen und haben für teuer Geld relativ gut geschlafen. Zuvor haben wir natürlich noch die Gegend erkundet und wollten ein paar Caches machen. Einen schönen Multi hatten wir uns rausgesucht, kamen durch alle 10 Stationen bis zum Ende um dann am Final zu scheitern. Irgendwas hatten wir falsch gemacht. Der Abend war dennoch nicht vergebens, denn der Spaziergang am Strand hat uns richtig gut getan nach der langen Fahrt.

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11.05.2010
Heute morgen sind wir dann weitergefahren, Inverness war unser erstes Ziel. Dort sind wir in die Touristeninfo und haben hier ein echtes Schätzchen gefunden (das war allerdings das letzte Mal, dass wir die Touristeninfo besucht haben. Man zahlt eine Buchungsgebühr von 4 Pfund und leistet eine 10% Anzahlung für das Zimmer, die dann bei der Bezahlung des Zimmers vor Ort abgezogen wird. Doch dieses Geld kommt nie bei den Vermietern an, trotzdem haben diese auch noch eine hohe Jahresgebühr zu zahlen. Nächstes Mal buchen wir lieber direkt.). Das Zimmer, in dem wir jetzt sind, ist einfach großartig. Zu allen Seiten Postkartenblicke, Seeblick, Lage ca. 5km von Loch Ness entfernt. Ringsherum nur Hügel, Kühe, Ruhe und Frieden, es ist ein Traum.Die Landschaft hier ist unbeschreiblich, genau wie das Wetter. Wir hatten heute irgendwie jedes Wetter, was es nur geben kann, und das im Abstand von ca. 5 Minuten. Schnee, Hagel, Regen, Sonnenschein, Hagel, Sonnenschein, Regen… es ist fantastisch. Die Leute hier sind alle supernett, besonders unsere Gastleute Andre und Mathilda. Andre ist ein ehemaliger Polizeibeamter aus den Niederlanden, der vor 15 Jahren hier Urlaub gemacht hat, sich dann 4 Monate später ein Gasthaus gekauft hat und seitdem Bed&Breakfast anbietet. Zeitweise bis zu 12 Zimmer, was aber irgendwann zu viel wurde, dann hat er alles verkauft, sich diesen Landsitz auf dem Berg gekauft und vermietet jetzt, weil ihm nach einem Jahr Nichtstun langweilig war, ein Zimmer. Das Zimmer (bzw. eigentlich zwei, weil ein Wohnzimmer auch noch dazugehört) ist sowas von perfekt, durchdacht, ordentlich und sauber, dass uns fast schwindelig wurde. Hier passt einfach alles, jedes Detail stimmt, und wenn es nur das Vorhandensein von feuchtem Toilettenpapier im Badezimmer ist. Das Bett ist riesig und vom Wohnzimmer aus hat man den schönsten Blick, den man sich nur vorstellen kann.

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Ach ja, ein paar Caches haben wir natürlich auch noch gesucht. Unter anderem einen bei einem Wasserfall. Die gibts hier zwar an allen Ecken und Enden, aber ich zeig trotzdem mal ein Bild von einem besonders schönen, nämlich den Divach Falls.IMG_4645
12.05.2010
Nach einer frostigen Nacht – heute morgen war alles weiß und ich hatte nach einem Spaziergang die Eiskristalle auf den Schuhen hängen – haben wir ein richtig gutes Full Scottish Breakfast zu uns genommen. War leider aus meiner Sicht ein Fehler, denn die Tabletten, die ich momentan gegen Borreliose nehmen muss, machen sich mit unangenehmen Nebenwirkungen bemerkbar. Das gestrige Abendessen ist leider rückwärts wieder rausgekommen und heute hatte ich den ganzen Tag mit Übelkeit zu kämpfen. Darum hab ich für morgen früh ein Frühstück aus Obst und Müsli bestellt.Kommen wir aber zu den schönen Sachen. Unser Wirt meinte, als wir unseren Tagesplan besprachen, dass wir bei einem Tag wie diesem (kein Wölkchen am Himmel) unbedingt Glen Affric besuchen müssen. Eine Landschaft, die Schottland zeigt, wie man es sich immer vorstellt. Als wir dort waren, hab ich so bei mir gedacht, dass hier sicher die Bilder für sämtliche Schottland-Reiseführer geschossen werden. Andre empfahl uns eine Wanderung rund um Loch Affric, er sprach von einem 5-Stunden-Rundgang. Perfekt für uns. Also fuhren wir los, es war nicht weit von unserer Wohnung entfernt, ca. 10km. Dann machten wir uns auf den Weg und wurden wirklich mit einem unbeschreiblichen Anblick belohnt. Ein länglicher See, perfekt zwischen die schneebedeckten Berge platziert. Zu Fuß über einen richtig schön angelegten Wanderweg zu umrunden. Und das taten wir dann. Dank unserer guten Wanderausrüstung waren die 18 km dann auch wirklich kein Problem für uns, wir hatten ja auch im Odenwald lange geübt. Es ging immer in einer Entfernung von mindestens 100m, oft mehr, am See entlang und wir genossen einfach den Ausblick. Überwältigend! Wir haben unterwegs schon die nächste Reise hierher geplant, Schottland hat uns sicher nicht zum letzten Mal gesehen.

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Zwischendrin hatten wir auch noch ein bisschen Spaß mit einer Schaukel, die jemand an einen Baum gehängt hatte und die nur aus einem Seil und einem dicken Aststück bestand.

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Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass 95% aller Flüsse und Bäche hier Trinkwasserqualität haben. Das hab ich dann auch rege genutzt, wie man auf einigen Fotos erkennen kann. Ich hoffe, ich habe nicht einen von den anderen 5% erwischt.

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Von Zeit zu Zeit mussten wir kleine Bäche und Flüsse überqueren, was meistens, aber nur meistens kein Problem darstellte.Nach ca. 11 km waren wir am anderen Ende des Sees angekommen und kamen an die einzige Stelle des Sees, die frei zugänglich war (nachdem wir uns über morastige Stellen gewagt hatten) und einen kleinen Strand hatte. Dort haben wir Rast gemacht und das schöne Wetter für eine kleine Abkühlung genutzt. Ich meine, wir hatten Sonnenschein und ca. 12°, das ist doch perfektes Wetter für eine kleine Baderunde, oder? Es war „freezing cold“. Aber die Sonne wärmte uns schnell wieder und weil ich unter dem dicken Pulli noch ein T-Shirt anhatte, das mir zu der Zeit schon länger lästig war, hatten wir sogar was zum Abtrocknen dabei. Und dann ging es wieder weiter. Nach ca. 15km Berg und Tal wurden dann doch die Beine schwer und leider gab es auf der anderen Seite des Sees kaum noch Bäche, so dass wir ziemlich durstig wieder am Auto ankamen. Aber der Anblick dieser großartigen Landschaft hat die Anstrengung wirklich gelohnt.Gerade haben wir zu Abend gegessen, ich hab mir in einem Laden etwas Obst und Joghurt gekauft und merke richtig, dass mir das gut getan hat. Meine Übelkeit lässt langsam aber sicher nach. Morgen müssen wir die Wohnung ja leider vorerst verlassen, weil diese zwei Tage schon vermietet sind. Wir haben beschlossen, noch ein Stück nördlicher zu fahren, wir wollen an die Nordküste.

13.05.2010
Auf Rat des mittlerweile einheimischen Andre haben wir nicht die einspurige Autobahn an der Ostküste entlang hoch genommen sondern sind mitten durch ein Niemandsland auf einer kleinen wenig befahrenen Straße gefahren. Hier fragt man sich wirklich, ob diese Straße irgendwohin führt. Kein Auto, kein Mensch weit und breit. Wir hatten natürlich vorher getankt, damit wir für alle Fälle gerüstet waren. In Tongue sind wir gegen 12 Uhr angekommen und haben, in Richtung Osten fahrend, auch relativ schnell eine preisgünstige Unterkunft gefunden, die wir dann gleich für 2 Tage festgemacht haben. Die Entfernungen hier sind ja nicht so groß, so dass man an einem Tag mal nach rechts und den anderen nach links fahren kann. Hier wollten wir dann auch endlich mal ein paar Caches suchen, das hatten wir auf unserer Runde um Glen Affric eindeutig vernachlässigt.

Bei schönstem Wetter sind wir also los und zunächst mal auf die andere Seite von Kyle of Tongue gefahren. Dort sollte in einer Höhle am Strand ein Cache liegen. Die Beschreibung sollte man aber schon vorher lesen, was wir dieses Mal leider unterlassen haben und deshalb uns am Strand dumm und dusselig gesucht haben. Wir sind dort eine Stunde über schlüpfrige Felsen geklettert und fanden – nichts. Also hat Markus in eine Handyverbindung investiert und ein Spoilerbild runtergeladen, den Internetstick hatten wir ja wohlweislich in der Unterkunft gelassen. Anhand des Bildes hat er dann – wieder nach einer halben Stunde klettern – den Cache gefunden – in 170m Entfernung von den angegebenen Koordinaten. Nun ja… fröhlich geloggt, noch mal die Höhle am Strand angeguckt, Beschreibung gelesen und herausgefunden, dass man von der Höhle aus noch mal Koordinaten hätte berechnen müssen. Aber Glück muss man haben, und wir hatten es, haben den Cache trotzdem gefunden. Und weil das Wetter grad so schön war, haben wir uns einfach noch eine halbe Stunde auf den Rasen in die Sonne gelegt und die Seele baumeln lassen.

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Auf dem Rückweg habe ich unseren zweiten Cache gefunden. War an der Überfahrt über Kyle of Tongue (ist so eine Aufhäufung, die über den Firth geht, keine echte Brücke). An einem Parkplatz in der Nähe eines Hinweisschildes sollte es sein. Wenn man in Deutschland eine solche Beschreibung liest, weiß man, man muss nach einer Filmdose oder einem Petling Ausschau halten, die per Magnet am Schild hängt – total einfach. Hier dagegen? Die Brücke (ca. 1,5km lang) ist auf beiden Seiten umsäumt von einem Steinehaufen, der entlang der Brücke aufgehäuft ist. Also quasi 3km Steinehaufen, ca. 1m breit und 2m hoch. Und genau da drin war eine große Box versteckt…. puh…. aber am Ende haben wir sie doch gefunden. Und weil wir noch nicht genug vom Laufen hatten, sind wir auch noch einen Pfad zu einer alten Burgruine hochgelaufen. Ca. 2km hin und genauso viel zurück. Und wir sind in Schottland, also nichts mit Flachland. Aber auch hier waren wir erfolgreich und die Aussicht ist auch hier grandios gewesen. Es ist einfach unglaublich schön hier.

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Auf dem Rückweg zur Unterkunft haben wir noch mal am Straßenrand angehalten und sind einen kleinen Weg, ca. 1km zum Strand gelaufen, die Dünen heruntergesprungen und einen kleinen Strandspaziergang gemacht. Haben uns den Wind um die Nase wehen lassen, die salzige Luft genossen, die Beine ins eisige Wasser gehängt und sind dann langsam wieder zurück. Es ist so schön, dass man einfach tun und lassen kann was man will.14.05.2010
Die Nacht war durchwachsen, das Bett ist sehr klein, so dass wir ständig aneinander geraten sind. Was soll‘s… heute Morgen sind wir dann an die Ostküste gefahren und wollten so nach und nach alle Caches von dort bis wieder zurück zur Unterkunft abgrasen. Der erste führte uns auf eine tolle Halbinsel. Der Cache war schnell gefunden und da wir grad da waren, haben wir uns noch zum Aussichtspunkt dort auf der Halbinsel begeben. Dunnet Head heißt sie übrigens. Die Bilder mögen etwas verwirren, es war nicht kalt heute aber windig dort oben, dass ich wirklich froh war, meinen Schal dabei zu haben. Auch wenn man dann nicht mehr viel von mir sieht.

Verpackt
Auf halbem Weg zurück von der Insel lag ein zweiter Cache. Eigentlich wollten wir dort nur kurz hin, loggen und zurück. Aber was wir dort auf einem Pier gesehen haben, hat uns erst mal die Sprache verschlagen – Robben! In freier Wildbahn! War das schön. Wir haben uns dann dort natürlich deutlich länger als geplant aufgehalten, haben geguckt, wie sie ins Wasser sind, wieder zurück auf den Kai. Kleine, große, braune, grau gescheckte. Toll. Das war ein echtes Erlebnis.

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Der nächste Cache führte uns an einen sehr steilen Strandabschnitt. Auch dort war es windig und das wurde von einigen Surfern zum Wellenreiten ausgenutzt. Also schnell geloggt und dann noch eine Weile zugeguckt.

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Anschließend ging es einen kleinen Fußweg (auch wieder ca. 1,5km – also wir laufen hier eigentlich den ganzen Tag) in Richtung einer alten Kapelle, die leider nur noch eine Ruine ist. Da fing‘s dann an zu regnen, so dass wir uns dort nicht lang aufgehalten haben. Aber das Wetter ist hier so wechselhaft, dass der Regen nicht lange anhält.

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Wir sind dann wieder zurückgefahren und wollten noch einen Ebbe-Cache machen. Der liegt auf einer Insel, die bei Ebbe zu Fuß zugänglich ist. Hier war wieder Klettern angesagt, der Cache hat auch eine recht hohe Wertung wegen des schwierigen Geländes. Haben wir aber gut gemeistert, es hat uns echt viel Spaß gemacht. Hier waren lauter schräge terassenartige Felsen, die man fast wie Treppen besteigen konnte.

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Den Rückweg haben wir dann ganz gemütlich angehen lassen, es war grad 16 Uhr, die Sonne schien, also haben wir uns ein paar trockene schräge Felsen ausgesucht, die Jacken ausgebreitet und uns von der wieder strahlenden Sonne den Bauch bescheinen lassen. Und jetzt sind wir wieder glücklich in unserer Unterkunft angekommen, haben grad ein paar Sandwiches verdrückt (nachdem ich jetzt 3 Tage nur von Obst und Joghurt gelebt habe, aber mittlerweile geht‘s mir etwas besser) und uns die Bilder von heute angeguckt.

15.05.2010
Die Reise wieder zurück in die Mitte Schottlands sind wir diesmal über die Westküste angegangen. Der Anblick der Karte war vielversprechend, raue Küstenabschnitte, viele Meeresbuchten und kleine Flüsse, noch viel mehr Seen. Zunächst ging‘s an der Nordküste entlang. Dort besuchten wir, weil‘s zufällig auf dem Weg lag, noch die Cave Smoo. Eine Höhle, die durch einen Wasserfall gebildet wurde, der dort immer noch entlangfließt.

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Das Wetter war ok, aber windig war es die ganze Zeit, so dass ich am Abend arge Probleme hatte, meine Haare wieder glatt zu bekommen. Fragt nicht, wie viele ich ausgerupft habe nach dem Waschen. Nach der Höhle Smoo haben wir noch die Gelegenheit genutzt, in dem 5-Seelen-Dorf Durness – das auf der Karte als große Stadt gekennzeichnet war – zu tanken, es gab doch immerhin zwei Zapfsäulen in der Großstadt. Dann ging‘s weiter. Einen Abstecher zu Cape Wrath, das ich zu gern gesehen hätte, mussten wir leider wieder abblasen, im wahrsten Sinne des Wortes. Dort kommt man nur mit einer Personenfähre hin (obwohl es eine Halbinsel ist, allerdings halt nur mit einer Straße und die ist nicht von Land aus zu erreichen). Der Wind ging zu stark, so dass die Fähre außer Betrieb war. Was mir gar nicht sooo unrecht war, als ich die hohen Wellen und das kleine Bötchen gesehen habe.

Gut, Cape Wrath war nicht, aber wir fuhren dann die Küste runter bis Ullapool. Unterwegs fuhren wir auch über eine andere kleine Halbinsel, weil wir ja eigentlich auch noch cachen wollten. Wir hatten uns 8 Caches für diese Strecke rausgesucht. Traditionals. Das sind Caches, deren Koordinaten bekannt sind, die man einfach nur anfahren muss, um den Cache zu bergen. Außer in Schottland. Hier kann man versuchen, irgendwo im Umkreis von 1km einen Parkplatz zu finden und muss dann mindestens 2 über Felder und Steine klettern, um ans äußerste Küstenende zu gelangen, wo man dann bei Sturm Wind und Wellen eventuell was findet, was zuvor ein ganzes Jahr lang von niemandem gefunden wurde. Puh… Was sind wir gelaufen und geklettert an dem Tag. Ein einziger Cache lag quasi auf dem Weg, alle anderen waren weit weit entfernt von der Straße. Am Ende haben wir nur 3 gemacht. Der Wind hat uns fast umgeblasen, einmal sind wir aufgrund eines Regengusses pitschenass geworden, mir war von der Kurverei über kleine enge sich windende Gäßchen ganz arg übel und von den letzten beiden Tagen waren wir auch noch ziemlich k.o. Irgendwann abends gegen 6 kamen wir wieder in unserer Unterkunft an. Noch rasch Joghurt mit Obst eingekauft, Sandwiches für Markus (langsam wird’s wirklich langweilig), noch Geld geholt, schon mal die Miete für die restlichen 4 Tage gezahlt und wie tot ins Bett gefallen.

16.05.2010
Heute wollten wir dann zwar viel cachen aber wenig laufen. Wir hatten uns (also wenn ich wir schreibe, meine ich eigentlich Markus, weil er immer die Planungen macht) zwei kleine Serien rausgesucht. Eine ging auf den Dunnain Hill und beinhaltete 8 Caches und einen Rundweg von ca. 2,5 Meilen Länge. Gerade genug für unsere müden Beine. Alle Caches gut gefunden und den Wald genossen.

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Dann ging‘s nach Inverness. Dort hatte jemand auf jede Brücke über den Ness (das ist der Fluss, der aus dem Loch Ness fließt) einen Cache gelegt. Die Brücken haben wir dann auch alle abgeklappert, auch wenn wir das meiste per Auto erledigt haben. Dann waren wir noch in der Stadt einkaufen – das geht ja hier auch sonntags, haben allerdings nicht so viel gekauft. Markus wollte sich eine bestimmte Jacke kaufen, der Laden hatte zwar Craghoppers aber leider nicht die Bear-Grylls-Collection. Schade. Aber immerhin sind wir einem Lush-Laden über den Weg gelaufen. Leider war nicht mehr alles vorrätig, denn der Laden wird neu renoviert nächste Woche. Meine Creme war leider schon ausverkauft. Was soll‘s, Geld gespart. Die Brückencaches haben wir auch alle gut gefunden, den letzten dann auf einer kleinen Insel im Ness.

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Weil wir hungrig waren und eh in der Stadt waren, sind wir dann gleich noch essen gegangen, ins Spice Tandoori. Las sich erst mal ganz gut, die Karte sah auch ok aus, also sind wir eingekehrt. Was uns allerdings doch verblüfft hat, war, dass wir zum Essen keine Teller bekommen haben. Zum Glück hatten wir uns Reis mitbestellt, der auf kleinen Frühstückstellern am, da haben wir dann unser Curry draufgeschaufelt. Geschmeckt hat es sehr gut, aber gut getan hat‘s mir leider wieder nicht. Immerhin, es ist drin geblieben.

17.05.2010
Heute hat Markus Geburtstag und wir feiern das, indem wir heute eine Whisky-Destillerie besuchen. Den Tag haben wir – obwohl Markus‘ Erkältung schlimmer geworden ist – wirklich genossen. Unser Hauswirt bzw. dessen Frau hatte uns auf unsere Nachfrage geraten, die Glenfiddich-Destillierie zu besuchen. Gesagt getan.
Als wir ankamen, es waren einige Kilometer zu fahren, kam auch gerade ein Bus mit einer französischen Reisegruppe an. Der haben wir uns kurzerhand angeschlossen. Zuerst wurden wir in ein kleines Kino geführt, wo wir einen Film über die Gründung und die Besonderheiten des Glenfiddich-Whiskys sahen. Danach wurde die Gruppe aufgespalten und wir waren die Franzosen fürs erste los und sind mit einigen Schweizern und Engländern extra geführt worden, diesmal auf Englisch, was uns sehr entgegenkam.

In der Destillerie wurde uns dann erklärt, wie die Gerste zunächst zu einem sehr starken Bier gebraut wird und anschließend destilliert wird. Dabei wird die Flüssigkeit über mehrere Stufen erhitzt, der Alkohol verdunstet dabei zuerst und wird über Rohre in Kondensatoren überführt, wo er abkühlt und wieder flüssig wird. Dies passiert mindestens zweimal. Dabei entstehen Alkoholgehalte von über 80% (Head) zu 74-65% (Heart) und weniger (Tail). Head und Tail werden dem Destillerieprozess wieder zugeführt, nur aus dem Herzen wird Whisky gemacht. Diese Ausgangsflüssigkeit – the Spirit – wird nun in Fässern gelagert, in denen zuvor amerikanischer Bourbon und spanischer Sherry gereift sind. Niemals wird schottischer Whisky in frischen Fässern gelagert. Durch diese Lagerung erhält er dann die unterschiedlichen Aromen wie Vanille, Birne, Beerenfrüchte und Gewürze. Die unterschiedlich gelagerten Whiskys können dann auch in bestimmten Verhältnissen gemischt werden. Single Malt darf er dann genannt werden, wenn sämtliche Whiskys, die gemischt werden, nur aus einer Destillerie stammen und rein aus Malz hergestellt werden. Sehr interessant. Nun kamen wir zum kulinarischen Teil. Angeboten wurden uns von Glenfiddich die 12-, 15- und 18jährigen Sorten, die es auch bei uns zu kaufen gibt. Unser Hauswirt hatte uns schon gesagt, wir sollen nicht hier kaufen, das wäre viel zu teuer. Die Unterschiede zwischen den drei verschiedenen Sorten waren deutlich zu schmecken. Hätte ich vorher nie gedacht. Natürlich haben wir nur leicht genippt und hauptsächlich gerochen, wir mussten ja noch fahren. Im hauseigenen Verkauf haben wir dann Mitbringsel erstanden, Marmelade, Honig und Fudge, alles mit Glenfiddich-Whisky versetzt.

Dann wollten wir uns eigentlich auf den Heimweg machen, als Markus auf einmal sagte, guck mal, die Destillerie ist auch hübsch. Und hier haben wir dann den absoluten Volltreffer gelandet. Wir waren bei Aberlour angekommen, da war es kurz vor 14 Uhr. Als wir in den Shop gingen, erfuhren wir, dass um 14 Uhr die letzte Tour startet und wir uns noch einbuchen können. Diese hat 10 Pfund pro Person gekostet, war es aber absolut wert. Das war ein unvergessliches Erlebnis. Unser Führer, Julian, war ein richtig netter und total lustiger Mensch (vielleicht hinterlässt der Whiskygenuss ja doch seine Spuren). Er hat unheimlich viel erklärt, worauf es wirklich ankommt bei der Herstellung, hat uns in sämtliche Bottiche reingucken und reinriechen lassen – puh, dass daraus was gutes wird, konnte man kaum glauben. Dann durften wir Malz probieren und riechen, alles sehr interessant.

Aber hier war die Verkostung das eigentliche Highlight. Wir bekamen 6 Gläser vorgesetzt. Zunächst sollten wir am ersten nur riechen, das war das Glas mit dem Spirit, also mit dem alles beginnt. Roch leicht süßlich , sehr stark natürlich mit 70% Alkohol, dann sollten wir auch probieren. Nun, es hat geschmeckt wie ein klarer Schnaps. Dann kam das zweite Glas, das schon etwas Farbe hatte. Es war ein 14jähriger Whisky, der einzig und allein in Bourbonfässern gereift ist. Roch nach Vanille – angeblich. Ich glaube, die Vanille hat niemand rausgerochen. Julian bat uns, einen Rest im Glas zu lassen, wir würden später drauf zurückkommen. Der nächste war ein 15jähriger Whisky, der ausschließlich in Sherryfässern gereift ist. Den Sherry hat man hier deutlich gerochen. Diese beiden werden übrigens nirgendwo abgefüllt sondern sind rein für die Verkostung vorgesehen. Dann kam der Whisky für gute Freunde. Die 10jährige Abfüllung der Destillerie Aberlour, die übrigens in Frankreich ihren Hauptmarkt hat. Wieder erst Farbe angucken, dann riechen, dann schmecken. Das nennt sich CAT nach Colour, Aroma, Taste. Dann kam ein 16jähriger, der ist für die besonders guten Freunde. Hmm, weich und rund, unglaublich geschmeidig. Zum 6. und letzten Glas gab es noch eine schöne Geschichte dazu. Als die Destillerie 1973 modernisiert wurde, wurde von zwei Arbeitern eine uralte Flasche gefunden, eingewickelt in eine Zeitung von 1898. Just in diesem Jahr war die Destillerie durch einen Brand fast völlig zerstört worden. Beim Wiederaufbau hatte man eine aktuelle Flasche in die Zeitung eingewickelt und hinter einer Mauer abgelegt, wo sie dann 70 Jahre später beim Abriss dieser Mauer gefunden wurde. Und was machen Arbeiter einer Destillerie, wenn sie eine Flasche Whisky finden? Trinken natürlich. Zum Glück haben sie einen kleinen Rest davon für die Chemiker übrig gelassen, die den Whisky gründlich analysiert haben. Dann hat man versucht, den Geschmack dieses alten Whiskys nachzugestalten, indem man verschiedene in Sherryfässern gereifte Jahrgänge gemischt hat. Keine Abfüllung ist haargenau wie die andere und durch die Mischung ist auf der Flasche auch kein Jahrgang angegeben. Der Geruch und Geschmack dieses Whiskys, er nennt sich a’bunadh, das gälische Wort für Original, sind unvergleichlich. Ich wurde am heutigen Tag zum Whisky-Fan. Übrigens wurde nach der Modernisierung auch wieder eine Flasche Whisky in eine aktuelle Zeitung (mit der Nachricht der Modernisierung der Destillerie) eingewickelt und eingemauert! Traditionen muss man erhalten. Kommen wir zurück zum Glas Nummer zwei (wir hatten natürlich nicht nur in diesem Glas einen Rest drin, denn wir mussten ja noch die 80km zurück fahren). Julian hat uns erklärt, dass sich, je mehr man die Nase fordert, diese auf das besinnt, was sie kann, riechen nämlich. Wir sollten jetzt noch einmal riechen – und tatsächlich. Das Glas war voller Vanille. Es war wie ein Wunder, was für Aromen wir auf einmal riechen und schmecken konnten – und nein, wir waren nicht benebelt sondern jetzt einfach geübter als vorher. Selbstverständlich haben wir mit dieser neuen Erkenntnis noch mal alle Sorten durchprobiert. Nicht alle. Als wir jetzt an The Spirit gerochen haben, hat das nicht mehr süßlich gerochen sondern einfach nur noch gestunken. Getrunken hat das jetzt niemand mehr. Auf Geheiß von Julian haben wir eine kleine Menge in den Händen verrieben und daran gerochen – es roch rein nach Malz. Unglaublich!

Kommen wir zu Glas 2 und 3 zurück. Diese beiden Whiskys, die nur für die Verkostung abgefüllt werden. Nur für die Verkostung? Nein! Wir hatten hier die Möglichkeit, uns unsere eigene Flasche Whisky abzufüllen, nämlich den aus den Sherry- oder den Bourbonfässern. Also Flasche unter den Ausguss unter dem Fass, Hebel hoch, der Whisky strömt in das Abfüllglas, dann Hebel runter und er läuft in die Flasche. Dann den Korken draufpressen, die Banderole drum und festpressen, das Etikett ausfüllen (dort steht jetzt, dass Kerstin am 17.05.2010 den Single Malt 15 Jahre in Sherryfässern gereiften Whisky mit 56,2% Alkohol abgefüllt hat), Flaschennummer (in meinem Fall 248) notieren und ins Abfüllbuch eintragen.

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Wahnsinn, gelle? Der Spaß hat 60 Pfund gekostet und weil‘s so schön war, haben wir von dem Whisky aus den Bourbonfässern auch noch eine Flasche gekauft. Schön im Holzkästchen verpackt.

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Da wir diese beiden Flaschen vermutlich nie öffnen werden, ist auch noch eine Flasche zum Trinken im Einkaufskorb gelandet, da haben wir uns für den a’bunadh entschieden, weil der uns am besten geschmeckt hat. Die Tour plus einkaufen hat 3 Stunden gedauert und wir sind glücklich und um eine bedeutende Erfahrung reicher wieder gut in unserer Wohnung angekommen.19.05.2010
Heute ist Ruhetag! Und den haben wir heute auch absolut nötig. Gestern nacht haben wir noch unsere restlichen Urlaubspläne umgeworfen und beschlossen, noch einen Tag länger bei Andre zu bleiben. Zum Glück war das Zimmer heute noch frei. Morgen fahren wir dann nach Newcastle, wo wir eine andere Fähre gebucht haben, Edinburg besuchen wir ein anderes Mal. Wir sehen uns momentan nicht in der Lage, noch mal 1000 km zu fahren, nur um nach Dover zu kommen.

Um das zu verstehen, muss ich Euch von unserem gestrigen Tag erzählen. Gestern morgen hatten wir noch keine großartigen Pläne für den Tag, aber es war ein herrlicher Morgen. Sonnenschein, kaum eine Wolke am Himmel, das Frühstück war wie immer exzellent (gut, ich hatte nur Müsli, Joghurt und Obst, da ich ja immer noch unter Übelkeit leide, Markus‘ Frühstück haben wir aber mal fotografiert).

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Wir schnatterten ein bisschen mit Andre über die Berge hier, wo er immer läuft und dass er lieber läuft statt klettert. Er erzählte uns aber von einigen Wettbewerben, die hier immer stattfinden, beispielsweise das Ersteigen von Englands, Schottlands und Wales‘ höchstem Gipfel innerhalb von 24 Stunden. Und es nagte schon wieder an mir…. seit ich wusste, dass wir nach Schottland fahren, nagte es an mir. Ben Nevis. Höchster Berg von Großbritannien. Markus war bei seinem letzten Besuch vor 14 Jahren schon mal oben und schilderte mir den Aufstieg in den schlimmsten und abschreckendsten Worten, die er fand. Wollte ein paar mal aufgeben, hat es dann aber doch durchgezogen, nur um dann dort oben im Nebel zu stehen und nichts zu sehen. Und es nagte immer noch an mir. Ich bin in einigen Sachen sehr sehr ehrgeizig und Ihr könnt das Ende sicher schon ahnen. Es war das schönste Wetter, das man sich vorstellen konnte, Sonnenschein pur und wir fassten den Entschluss, es einfach mal zu versuchen.

Der Ben Nevis ist mit 1344m der höchste Berg von Großbritannien und kann sowohl von Bergsteigern über die Nordseite erklommen werden als auch von normalen Fußgängern über fest angelegte, wenn auch nicht an allen Stellen einfach begehbare Wege zu „bewandert“ werden. Je näher wir Fort William kamen, je höher die Berge um uns wurden (und ich wusste, die waren noch niedrig gegen das, was wir uns vorgenommen hatten, höher hinauf ging nirgendwo auf der Insel) desto nervöser wurde ich. Im Besucherzentrum angekommen haben wir noch etwas Wasser gekauft und ich hab mir Prospekte zur Wanderung angeschaut. Prospekte voller Warnungen, wie viele Menschen auf dem Berg ständig ums Leben kommen, Berichte darüber, wie viele Menschen, die den Weg wagen, ihre Fitness überschätzen. Nichts, was mich wirklich beruhigte. Aber dann dachte ich, wenn‘s zu schlimm wird, kehren wir halt um. Wer etwas wagt, kann verlieren, aber wer nichts wagt, hat in jedem Fall schon verloren. Sorgen machte mir auch die Zeit, wir starteten um 12 Uhr unsere Wanderung und als wir uns auf den Weg machten, kamen uns schon einige Wanderer wieder entgegen. Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie lang die Wanderung dauern würde. Nun, um es vorweg zu nehmen, sie dauerte sehr lang!

Der Weg startete relativ gemütlich fast auf Meeresniveau, wir mussten also von den 1344m auf jeden Fall 1325m aufwärts. Senkrecht aufwärts 1325m. Der Weg wand sich um andere Berge herum auf ca. 8,5km. Es ging auf diesen 8,5km nicht einen einzigen Meter gerade oder abwärts. Der Weg kannte nur eine Richtung – aufwärts. Zunächst noch recht moderate Steigungen und ausgetretene Wege wurden es bald steinige Stufen, die umso steiler wurden, je höher wir kamen. Stellt Euch einfach eine 8km lange Treppe vor, die Ihr aufwärts lauft. Immer aufwärts, aufwärts, aufwärts. Rechts ging’s steil bergab, der Weg teilweise Schotter, teilweise musste man sich zwischen groben Steinen irgendwie einen Halt suchen. Und aufwärts und aufwärts. Aber ich dachte nicht an Aufgeben, ich war voll verbissen und redete mir ein, dass ich das schaffe. Irgendwann dann die erste Pause und einen Blick aufs Display des GPS-Gerätes. Wir hatten 2,5km Laufstrecke hinter uns und gerade mal 200m Höhe geschafft. Also weitere 1125 hoch. Irgendwann kamen wir an den Punkt, an dem wir alle 50 Höhenmeter eine Pause einlegen mussten. Immer, wenn uns Wanderer von oben begegneten, die schon auf dem Rückweg waren, bildete ich mir mitleidige Blicke ein. Es war erschöpfend, es war absolut erschöpfend und brachte mich an den Rand meiner Kräfte und auch die Aussicht, die ich immer wieder auf Fotos festhielt, konnte mich nicht wirklich begeistern.

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Irgendwann zwischendrin mussten wir eine etwas längere Zwangspause einlegen. Der Weg wird ständig von großen Felsbrocken befreit, die mit einem Hubschrauber in großen Taschen zur Seite geschafft wurden. Dem haben wir eine Weile fasziniert zugeschaut, wir wollten ja nicht vom Stahlseil erschlagen werden.

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Ab dieser Stelle, es lagen leider noch immer 700 Höhenmeter vor uns, wurde der Weg merklich schlechter. Keine Stufen mehr, keine ausgetretenen Wege, die uns vorher ab und zu den Aufstieg erleichtert hatten, sondern es ging nur noch über Geröll. Aufwärts natürlich, steil aufwärts, denn hier musste das Verhältnis von Wegstrecke zu Höhenunterschied vom Anfang, das vorher zugunsten der Wegstrecke ausgefallen war, umgekehrt werden. Je höher wir kamen, desto mehr Wanderer kamen uns entgegen, wünschten uns Glück für den Aufstieg und schwärmten vom tollen Blick von oben.

Markus und ich waren beide schon völlig k.o., aber auch hier war an ein Aufgeben noch nicht zu denken. Je höher wir kamen, desto kälter und windiger wurde es auch. Trotzdem ich völlig durchgeschwitzt war, habe ich dann eine zweite Jacke unter meine winddichte Schöffeljacke angezogen. Irgendwann kamen dann Strecken, an denen Schnee den Weg bedeckte. Nasser dreckiger und glatter Schnee. Das begann ungefähr bei Höhenmeter 1000. Noch 344 m vor uns. Der Weg wurde immer schlechter, immer mehr Wanderer kamen uns entgegen, denen wir ausweichen mussten. Und die letzten 200 Höhenmeter gingen dann durch ein einziges Schneefeld, nur von kleinen Steinfeldern unterbrochen.

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100 Höhenmeter vor dem Gipfel war es soweit, ich wollte nicht mehr weiter. Der steile Aufstieg über das Schneefeld, 2 Schritte voran, einen wieder runtergerutscht, hinterließen ihre Spuren. Mir war vor Anstrengung so übel, dass ich meinen Mageninhalt hergegeben hätte, wenn noch was drin gewesen war. Wasser hatten wir auch keins mehr, der Gipfel war greifbar nahe, aber ich wollte nicht mehr. Was mich letztendlich den letzten Wegkilometer durch 20cm hohen Schnee (meine Schuhe haben ihre Wasserfestigkeit leider nicht bewiesen, ich hatte völlig nasse Strümpfe) getrieben hat, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich, als ich endlich oben war, in Tränen ausgebrochen bin und völlig leer war. Mir war alles egal. Aber auch die Erschöpfung ging irgendwann vorbei und ich konnte endlich den wirklich beeindruckenden Ausblick genießen.

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Nur wenige Wölkchen am Himmel, eine Sicht über alle Gipfel, die wir auf dem
Hinweg gesehen hatten, Großbritannien lag vor uns.

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Und was soll ich sagen, der Cache, den wir hier oben suchen wollen, war nicht mehr da. Aber der Weg war trotzdem nicht umsonst. Die Aussicht entschädigte wirklich für alle Strapazen. Wir hatten ca. 5 Stunden für den Weg gebraucht, davon 3,5 Stunden reine Laufzeit, der Rest war für Pausen draufgegangen. Wir haben ca. 1/2 Stunde auf dem Gipfel verbracht, sind durch den Schnee getollt und haben an den Rückweg noch keinen Gedanken verschwendet. Den nahmen wir um ca. halb 6 abends in Angriff. Was beim Aufstieg der schwierigste Teil war, der Weg durch den Schnee, war zurück kein Problem. Wir sind einfach runtergerutscht. Dann wurde es noch mal wirklich sehr anstrengend. Ich hab mich ja den ganzen Urlaub über nicht geschont und meine Knie, die unter meinem Gewicht ganz schön leiden, waren eh schon angegriffen. Gestern Abend auf dem Rückweg haben sie dann echt gejammert. Die steilen Stufen über das Geröll, die haben sie mir wirklich übel genommen. Dachte ich, nach dem Aufstieg schon völlig k.o. zu sein, war ich es nach dem Abstieg dann wirklich. Ich wusste nicht, ob ich noch lebe oder nicht, ich war erschöpft wie noch nie in meinem Leben. Wir waren insgesamt 9 Stunden auf den Beinen und für mich war das die anstrengendste körperliche Betätigung, die ich je im Leben vorgenommen habe. Von Stolz auf das Erreichte war gestern keine Spur. Ich war einfach todunglücklich, dass mich diese Wanderung so mitgenommen hat. So langsam stellt sich die Erkenntnis ein, dass ich es wirklich geschafft habe, aber im Moment bin ich noch auf dem Standpunkt: einmal und nie wieder. Mal sehen, was die Zeit bringt.

Nach diesem Tag hatten wir den Ruhetag dann auch wirklich nötig und verdient. Um den Rückweg nicht ganz so anstrengend zu gestalten (von Drumnadrochit nach Dover sind es über 1000 Kilometer), haben wir die Nachtfähre von Newcastle nach Amsterdam gebucht. Der Abschied von Andre und Mathilda fiel schwer, und weil es uns so gut gefallen hat, haben wir bei den beiden gleich schon zwei Wochen für das nächste Jahr gebucht.

Ich hoffe, mein Reisebericht hat Euch gefallen und vielleicht ein bisschen Lust auf dieses schöne Stück Erde gemacht. Ich weiß eins, Schottland hat mich nicht zum letzten Mal gesehen!

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3 Kommentare

  1. Gina

    Hallo Ihr Zwei Ben Newis “Bezwinger “

    Euer Scotland travel Bericht war einfach goettlich zu lesen . Absolut interessant und ja auch sehr mitfuehlend Deine Obst-Joghurt Ernaehrung . Hoffe beim neachstenmal Scotland on Tour das wahre Scot food only. Bin jedes Jahr in Scotland und war auch schon fast an allen Plaetzen wo Ihr Zwei gewesen sied . Nur auf Bew Newis noch nicht , werde mir das aber ersparen nachden ich hier lesen konnte wie muehsam der Auf – und Abstieg dort ist.

    Wuensche Euch fuer die neachste Scotland Reise noch mehr von diesem wunderschoenen gruenen Land kennen zu lernen. Scotland ist immer eine Reise wert auch wenn es dort sehr oft regnet und immer ne frische Brise Wind dort herrscht.

    Euer super toller und auch echt interessanter Wiskey – trail Bericht habe ich genossen !

    Na dann.. cheers and prost auf pretty beautiful Scotland . :-)..

    Gina..

    1. Kerstin (Beitrag Autor)

      Hallo Gina,

      hach ja, Schottland 2010, ich erinnere mich immer wieder gern daran. Es war unser erster Urlaub in Schottland, 2011, 2012 und 2014 folgten und was meinst Du, wo es uns dieses Jahr wieder hinzieht? Richtig 🙂 In nicht ganz 5 Wochen gehts wieder los für uns, ich zähle schon die Tage, bis wir wieder übersetzen und uns in den Highlands wiederfinden.

      Schön, dass Dir mein Bericht gefallen hat – vielleicht magst Du ja mal wieder reinschauen, wenn ich Anfang Juni zurück bin und von 14 Tagen Schottland berichte.

      Viele liebe Grüße an Dich
      Kerstin

      1. Gina

        Hallo Kerstin ,

        Na sowas , also Hat Euch das “Scotland Fieber “ auch erfasst. Bin selbst Ende May bis Anfang Juni wieder in Scotland. In der Glasgow area. Falls Ihr noch nie in Glasgow ward , solltet da auch mal hinfahren. Die Stadt Glasgow hat auch so Einiges zu bieten aber nicht nur dort. Geheimtipp von mir… Fahrt mal nach Skipness am Loch Fayne . Dort ist eine Castle Ruine . Man kann dort raufgehen bis zum Dach oben und hat von dort aus einen herrlichen Blick ueber das Land. Skipness ist auch im internet , also schaut mal rein dort. Es ist wert dahin zu fahren. halber weg kommt Ihr an Invaray vorbei von Glasgow aus kommend ueber die A82 Glen Coe Argyll Landschaft up durch die Highlands.

        Beim Rastplatz “rest and be thankful“ muesst Ihr unbedingt Rast machen und die herrliche Aussicht geniessen dort. Eine super Aussicht dort.

        Na dannn viel Spass und gute Reise in 5 Wochen ..

        Liebe Gruesse und ich warte dann mal ganz gespannt auf Deinen naechsten Reisebericht.

        Gina.. :-)…

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