Das Leben ist schön

Schottland 2011

10.05.2011

Urlaub! Selten haben wir 2 Wochen Freizeit so sehr ersehnt wie die in diesem Mai. Zu viel Arbeit, zu viel Stress im privaten hatten uns körperlich und mental völlig ausgelaugt, so dass wir froh waren, als der 8. Mai endlich da war und wir, wie auch im letzten Jahr, in Richtung Norden aufbrechen konnten.

Unsere Route war dieses Mal etwas anders geplant als 2010. Vor einem Jahr sind wir von Frankreich nach Dover mit der Fähre übergesetzt und hatten in Großbritannien einen Weg von ca. 1000 km zurückzulegen, bis wir in den Highlands von Schottland angekommen waren. Dies bescherte uns neben zwei zusätzlichen Übernachtungen eine hohe Benzinrechnung. Dieses Jahr nahmen wir am Sonntag die Fähre von Amsterdam nach Newcastle und verbrachten damit sogar die Nacht in Fahrt, die wir allerdings aufgrund der einschaukelnden Wellen prächtig verschliefen. Eine Innenkabine – die Nummer 888 – und ein Plätzchen für unseren Smart hatten wir schon im November gebucht, was die Vorfreude auch in diesen trüben kalten Tagen befeuerte.

Und so kamen wir ausgeschlafen und mit einem relativ guten Frühstück im Bauch gegen 10:30 Uhr Ortszeit in Newcastle an. Dort hatten wir uns natürlich sofort auf den Linksverkehr einzustellen, was aber für Markus kein Problem darstellte. Frohgemut machten wir uns auf den Weg nach Drumnadrochit. Rund 450km lagen also vor uns. Die gingen wir langsam an und genossen zum ersten Mal seit einem Jahr wieder die schottische Landschaft. Über den Norden Englands ging es über die Grenze in Richtung Edinburgh, von dort weiter über eine riesige Brücke (Forth Road Bridge) über den Firth of Forth und weiter gen Perth. Ab hier hörte dann die Autobahn auf, und die Fahrt wurde deutlich gemütlicher. So langsam kamen auch die Erinnerungen an das letzte Jahr wieder auf. Orte, an denen wir vorbeigekommen waren, das Liqueur Centre zum Beispiel, die Destillerie Tomatin, dann Inverness und das Loch Ness.

Aber halt, soweit sind wir noch nicht. Auf dem Weg dorthin liegt nämlich zufällig auch die Destillerie Edradour, die wir unbedingt besuchen wollten. Zum einen, weil wir uns noch zwei Whiskygläser für den Urlaub kaufen wollten, damit wir nach anstrengenden Wanderungen abends einen Whisky genießen können, zum anderen ist Edradour eine Destillerie, die man gesehen haben muss. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie die kleinste schottische Destillerie überhaupt ist.

Die gesamte Anlage ist winzig, dabei aber wunderschön angelegt, mit weiß-roten Häusern und einem Bach, der hindurchfließt. Ich kam mir beim Durchlaufen vor wie in einem Hobbitdorf.

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Bei sämtlichen Türen musste man den Kopf einziehen, weil die Häuser so klein und niedrig waren. Unser erster Weg führte uns vom Parkplatz zum Whiskystore. Dort fanden wir Gläser – aber wir wussten natürlich überhaupt nicht, welche der vielen Flaschen dort es wert waren gekauft zu werden. Allerdings bot man uns direkt am Eingang die Teilnahme an einer in Kürze stattfindenden Tour an – und wir sagten zu. Ein bisschen Wartezeit hatten wir noch, die wir zu einem Toilettengang nutzten und in der wir außerdem einen Kaffee kauften, denn grad am Tag zuvor hatte der nachmittägliche Kaffeemangel mir schwere Kopfschmerzen eingebracht, die ich nicht schon wieder riskieren wollte. 2,50 Pfund pro Tasse – aber dafür durfte ich die Edradour-Tasse behalten. Dann kam der Tour-Führer und es ging los. Zunächst wurde uns ein Film über die Destillerie gezeigt. Hier wird alles noch von Hand gemacht, was wir dann auch später sehen konnten. Ein Whisky zur Einstimmung wurde uns auch angeboten – der ganz lecker war aber äußerst schwach. Der fiel also aus der Auswahl raus. Dann ging’s zur Besichtigung der kleinen Anlage. Zuerst zeigte man uns die Kühleinrichtungen, in denen das Destillat verflüssigt wird. Wir durften das Lager mit der Gerste sehen, von der pro Tag eine Tonne verarbeitet wird, hier wird sie auch geschrotet. Dann die Tanks, wo die Gerste vermalzt wird, die riesigen Bierfässer, wo zur Malzlösung die Hefe dazugegeben wird, die das vergären übernimmt und dann die beiden Stills (Brennblasen), in denen das rund 8%ige Bier zweimal destilliert wird. Vom Destilliervorgang wird auch hier nur der mittlere Teil des Spirits verwendet und über ein schwarzes Rohr zunächst in ein großes Fass gefüllt. Der Alkohol vom Anfang und vom Ende, der entweder zu stark oder zu schwach ist, geht erneut in den Destilliervorgang ein. Anschließend wird der Spirit in Fässer gefüllt und gelagert. Nun wurde uns auch Tasting angeboten, das wir gern angenommen haben – was wir nicht wussten: die Proben musste man zahlen und dummerweise hatten wir zu diesem Zeitpunkt keine Pfund einstecken (die letzten Reste vom Vorjahr waren ja ins Frühstück und den Kaffee gewandert). Und da auch die Kartenzahlung im Tastinghaus nicht funktionierte, standen wir erst mal peinlich berührt vor unseren zwei Gläsern. Zum Glück konnte uns unbürokratisch geholfen werden, wir hatten ja sowieso vor, eine Flasche und zwei Gläser zu kaufen und durften das Tasting dann im Whiskystore mit bezahlen. So kam der Besuch von Edradour noch zu einem guten Ende, wir verstauten unseren Whisky im Smart und fuhren weiter, denn wir hatten noch rund 150km vor uns.

In Drumnadrochit hatten wir noch zwei kurze Stopps, einmal am Geldautomaten und dann im Store, wo wir uns für den Abend mit Sandwiches, Obst und Milch eindeckten.

Gegen 17:30 Uhr erreichten wir endlich Creag Mhor, unsere Unterkunft in der Nähe von Drumnadrochit, die wir im letzten Jahr schon am Abreisetag gebucht hatten, weil sie uns so gut gefallen hatte. Wir wurden herzlich von Andre und Matilda begrüßt, gemeinsam entluden wir das Auto und dann stand Matilda auch schon mit einer großen Kanne heißen Tees für uns bereit. Während wir den Tee tranken, tauschten wir die Neuigkeiten des letzten Jahres aus. Auch dieser Winter war in Schottland wieder ungewöhnlich hart mit Temperaturen bis -26°. Das angesagte Wetter war für uns natürlich von großem Interesse, da wir auch dieses Jahr wieder vorhaben, viel zu wandern, Geocaching zu betreiben und die Landschaft auf uns wirken zu lassen. Der April war der heißeste und trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Wenn wir so aus dem Fenster gucken, wiederholt sich das für den Mai leider (für uns leider) anscheinend nicht. Auf dem Weg nach Drumnadrochit sind wir schon in einige Regenschauer geraten. Die Temperaturen schwanken zwischen 10 und 20 Grad und im Moment ist es hier wie bei uns in einem April. Regen, Sonnenschein, Wolken und Wind wechseln sich in sehr kurzen Abständen ab. Mal sehen, wie die nächsten zwei Wochen so werden.

Nach unserem Abendessen genossen wir noch eine Weile den Ausblick aus unserem Wohnzimmer und bereiteten uns dann für die Nacht vor.

Heute morgen waren wir voller Tatendrang. Schon kurz nach 6 waren wir wach, und da wir mit Andre für 8 Uhr das Frühstück verabredet hatten, hatten wir genügend Zeit für die Morgentoilette und einen ausgiebigen Duschgang. Unsere Sachen hatten wir gestern Abend schon in die Schränke verräumt, es gab also nichts weiter zu tun, als uns auf das gute Essen hier zu freuen. Ich wollte mit Obst und Müsli in den Tag starten und Markus hatte sich natürlich wieder das Full Scottish Breakfast bestellt, das Andre meisterhaft zuzubereiten versteht. Ich hatte mein Obst gerade zerschnipselt und ein paar Löffel Müsli drübergehäuft, da kam Andre rein – mit zwei großen Tellern Frühstück. Da wir so gutes Essen nicht umkommen lassen, hab ich den Joghurt weggelassen, den halben Teller verputzt und Markus hat neben seinem Teller meinen Rest übernommen. Passte alles rein, zusätzlich noch der Toast und ganz viel richtig guter Kaffee.

Dann machten wir die Pläne für den Tag. Nach den letzten beiden Tagen, in denen wir sehr viel gefahren sind, wollten wir heute in der Nähe bleiben. Im Internet suchten wir ein paar geeignete Caches raus, die wir finden wollten und machten uns auf den Weg Richtung Inverness zu dem Parkplatz von Abriachan Wood. Dort liegt eine Cacheserie von 6 Caches, die wir natürlich finden wollten. Also machten wir uns frohgemut auf den Weg.

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Schon die ersten Meter waren für mich sehr ernüchternd. Ich hatte in diesem Frühjahr noch gar nicht trainiert und das merkte ich sofort. Der Weg ging permanent steil bergan und machte mir ganz schön zu schaffen. Ich kam ziemlich schnell ins Schwitzen und Markus hängte mich ein paar Mal ganz schön weit ab. Aber es kann ja nur besser werden. Trotzdem genoss ich auf diesem Weg jeden kurzen Regenguss, der vom Himmel fiel und mich schnell wieder abkühlte. Das Wetter war wirklich herrlich. Viel Sonnenschein, aber zwischendrin immer mal ein paar Minuten Regen, nie sehr viel, so dass es grad noch angenehm war. Die Landschaft war wunderschön. Hier steht der Frühling grad in voller Blüte. Alles ist in erfrischendes Grün getaucht. Die Insekten brummten um uns herum, der Stechginster blüht in knallgelb – es ist herrlich.

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Über viele Windungen führte uns der Weg immer weiter hinauf. Der erste Cache war dann an einer Brücke versteckt. Und der wollte sich so gar nicht finden lassen. Den Hinweis, dass es sich um einen kleinen Magneten handelt entsprechend, suchten wir natürlich an, auf und vor allem unter der Holzbrücke die wenigen Nägel und Schrauben ab, an denen so ein kleiner magnetischer Cache hängen könnte.
Auf die Idee, dass er einfach unter etwas Moos neben der Brücke liegt, kam Markus erst nach langer langer Suchzeit, in der wir mehrfach fast in den Bach gefallen waren, über den die Brücke führte. Aber am Ende hielten wir das kleine Behältnis (ca. 1cm lang mit 1/2cm Durchmesser) in den Händen und fanden den ersten Hinweis auf den Bonuscache. Weiter und immer weiter hinauf führte uns der Weg. Die nächsten Caches waren nun in regelmäßigen Abständen unter Bänken versteckt und stellten an unseren Findergeist keine großen Herausforderungen. Die kamen erst wieder, als wir – auf dem Gipfel angekommen und einen herrlichen Ausblick über Loch Ness genossen – nun nicht wussten, welchen der 4 Wege wir einschlagen sollten, die an dieser Stelle zur Verfügung standen.

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Durch die vielen Windungen kann man leider nicht sagen, welches die richtige Richtung ist. Wir wählten natürlich prompt den falschen Weg. Das merkten wir erst, als sich nach einem Kilometer der nächste Cache immer weiter von uns entfernte. Zurücklaufen wollten wir aber auch nicht mehr. Markus kam auf die Idee, eine Abkürzung laufen zu wollen. Ich war strikt dagegen, denn die Abkürzung führte steil bergab über eine Kuhweide (und das in unseren knallroten Jacken). Jeden Moment glaubte ich einen aufgeregten Schotten Flinte schwingend hinter mir, aber auf mich hört ja keiner. Also hab ich auf dem Weg nach unten ausgiebig gemeckert und „Blödmänner verteilt“, was mir aber nichts nützte, Markus war zu weit weg, um mein Gebrummel zu hören. Als wir unten ankamen bestätigten sich meine Befürchtungen. Der Cache war nah! Wir sahen den Weg, der dorthin führte! Aber zu welchem Preis! Zwischen uns und dem Cache stand ein großer dicker Weidezaun aus Stacheldraht und kein Tor führte hindurch. Drüber, hieß die Devise. Oder die Kuhweide wieder hoch, den ganzen langen Weg zurück und uns vielleicht für den nächsten falschen Weg entscheiden. Markus war schon gekonnt drübergeklettert und wollte natürlich nicht zurück. Also musste ich ihm wohl oder übel folgen. Danach war alles ganz einfach, nach weitere 100 Metern hatten wir den nächsten kleinen Cache in der Hand und wieder einen nassen Kopf, denn der Regen setzte grad wieder ein. Nachdem ich dann meine Kapuze rausgekramt hatte, schien auch schon wieder die Sonne.

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Wir lösten noch das Rätsel für den Bonus, holten diesen auf dem Rückweg noch ab, nahmen noch eine kleine Abkürzung (nichts Schlimmes, nur über eine Leitplanke durch ein Schlammloch) und standen glücklich und zufrieden wieder an unserem Auto. Unterwegs sahen wir von weitem noch einen merkwürdig gewachsenen Baum, der aussah, als ob ein Viertel von ihm rausgeschnitten wurde.Insgesamt haben wir rund 6 km auf bis zu 250m Höhe zurückgelegt, was sich nicht viel anhört, durch die permanente Steigungen für mich aber grad genug war für den Anfang.

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Tja, und dann gab es noch eine andere Cacheserie auf der anderen Seite von Loch Ness. Da dies eine Auto-Serie ist, wollten wir die auch noch angehen. Die Serie hatte 10 Caches, die allesamt tolle Verstecke hatten, die wir aber auch nach kurzer Suchzeit gefunden haben. Noch einen kleinen Einzelgänger und unsere Tagesbilanz zeigte 17 Funde. Wir waren gegen 15 Uhr mit allem durch und beschlossen, den Rest des Tages in der Wohnung rumzugammeln. Das taten wir dann auch ausgiebig, Markus mit seinem iPad und ich mit Hercule Poirot auf meinem Kindle. Gegen 6 holten wir uns noch ein paar Sandwiches, aßen zu Abend und lassen jetzt den ersten richtigen Urlaubstag bei einem Gläschen Edradour 7 Jahre, Bourbon Cask ausklingen.

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11.05.2011

Die ersten Schritte heute morgen waren hart. Wir hatten uns gestern wohl ein bisschen zu sehr verausgabt. Und so lief ich im Pinguin-Watschelgang mit Muskelkater in den Waden zur Toilette. Nach dem wieder sehr leckeren Frühstück (Markus hatte wieder seine große Platte, ich hatte frisch geschnittenes Obst mit Müsli) hatten wir beschlossen, es heute etwas ruhiger angehen zu lassen. Dass wir später noch in eine Schlacht gegen blutsaugende Monster ziehen mussten, konnten wir zu der Zeit noch nicht ahnen. Unsere Tagesplanung sah eine Cacheserie rund um Loch Ness vor, den Monster Drive, außerdem alle anderen, die auf dem Weg lagen. Gegen halb 10 fuhren wir los.

Die ersten Caches waren schnell gefunden und viel laufen mussten wir nicht. An einigen Stellen mussten wir erst mal Muggles passieren lassen, aber im großen und ganzen kamen wir gut voran.

Ein Cache südlich von Drumnadrochit führte uns über ein großes Feld an den Rand des Loch Ness. Wir mussten über einen kleinen Bach gehen und dann eine steile Wand heruntersteigen, dann standen wir am Ufer. Der See hat nur an ganz wenigen Stellen schmale Ufer, am größten Teil geht der Baumbewuchs bis ans Wasser ran. Hier waren wir fast versucht schwimmen zu gehen, aber der heftige Wind mit kühler Luft und das in Sicht kommende Kanu hielten uns davon ab. Der Cache war dann leider doch nicht am Ufer, aber die wunderschöne Aussicht entschädigte für die Kletterei. Nachdem wir im letzten Jahr in 10 Tagen nicht ein einziges Bild vom Loch Ness geschossen hatte, mussten wir dieses Versäumnis nachholen, und so haben wir heute auf unserer kleinen Fahrt die Kamera ordentlich schwitzen lassen.

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Zurück zum Cache. Während ich noch den wunderschönen Anblick des zwischen die hohen Berge eingebetteten Sees genoss, war Markus schon auf dem Weg nach oben. Er rief mich dann, und ich schlug mich durch ein Bärlauchfeld wieder nach oben, teilweise auf Händen und Knien. Dann endlich haben wir den Cache gefunden. Und konnten von oben wieder auf den See blicken. Den Rückweg fanden wir dann auch relativ schnell.

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Am Auto angekommen dann der große Schock. Wir waren über und über von Zecken bedeckt. Jeans, T-Shirt, Jacke, wir haben die Zecken dutzendweise runtergelesen. Als wir damit endlich fertig waren, sprangen wir ins Auto und wollten nur noch weg. Der nächste Cache lag nicht weit entfernt, dafür der nächste Parkplatz. Als wir genauer hinschauten, bemerkten wir, dass wir für den nächsten Cache über die gleiche Zeckenwiese mussten wie für den ersten an dieser Stelle. Argh… Also gewendet, zurück zum Parkplatz, wieder über die Wiese, den Cache gesucht, zurück zum Auto und hier wieder, wie schon zwischendurch, Zeckenputzen. Um den gleichen Fehler nicht noch mal zu machen, schauten wir hier gleich nach dem nächsten. Und tatsächlich, auch dieser hatte den gleichen Parkplatz angegeben, war allerdings diesmal nicht über die Wiese zu erreichen. Dieses Mal blieben wir auf unserer Straßenseite und gingen einen steilen Waldweg entlang. Der führte in Serpentinen hin und zurück, immer höher hinauf. Ich wollte doch heute gar nicht laufen! Als ich Markus fragte, wie weit es noch sei, hörte ich immer nur 1 km. Nicht nur beim ersten Mal sondern auch bei der zweiten und dritten Nachfrage und immer mit der Richtungsangabe zu einem hohen Berg hin. Ich veränderte meine Fragetaktik und wollte wissen, welche Terrainwertung der Cache hat. 4,5 war die Antwort, die mich leider keineswegs glücklich machte, denn für mich hieß das, auf den hohen Berg (ca. 500m), der spöttisch über mich lachte, zu klimmen. Meine Laune, die wegen der Zecken schon nicht mehr allzu gut war, sank in den Keller und so trottete ich meckernd und moppernd hinter Markus her. Schon ziemlich weit oben sahen wir eine Bank stehen, von der aus wir einen herrlichen Blick über Loch Ness hatten. Natürlich hab ich die Gelegenheit genutzt, eine Menge Fotos zu schießen. Nur wenige Meter weiter verschwand Markus auf einmal in einer Höhle. Ich ging hinterher und sah dort von Hand errichtete Steinbänke. Es war richtig schön und Markus wollte gar nicht weiter gehen. Als er sich ständig suchend umschaute, begriff ich, weshalb. Der Cache sollte hier liegen. Veräppelt hatte er mich die ganze Zeit. Anscheinend fehlt ihm was, wenn ich nicht meckernd hinter ihm her zuckele. Der Cache war dann auch schnell gefunden, meine Laune wieder im Obergeschoss angekommen und wir machten uns auf den Rückweg.

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Wir fuhren in Richtung Fort Augustus, sammelten dort und unterwegs noch ein paar Caches ein und erreichten schließlich das südliche Ende von Loch Ness. Was für ein Anblick! Den langen, zwischen die Berge eingebetteten See, der sich scheinbar endlos hinzieht.

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Der weitere Weg führte uns dann ein wenig von Loch Ness weg. Aber die Gegend ist generell sehr seenreich und das nächste Schätzchen war nicht weit weg. Loch Tarff bot einen tollen Anblick. Der See wird für die Wassergewinnung für die Stadt Fort Augustus genutzt, deshalb darf in ihm nicht geschwommen werden. Auf dem See sind viele kleine Inseln malerisch platziert, als sollte es so sein.

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Ein Stück weiter war ein Cache auf einem Aussichtspunkt angegeben. Hier musste ich also wieder laufen. Aber das Wetter war herrlich, warum nicht. Wir gingen sogar ein ganzes Stück über den Cache hinaus, um den Blick von oben zu genießen und Fotos zu machen. Den Rückweg kürzten wir ab und liefen über eine von Heidekraut bedeckte Wiese zurück. Keine Zecken! Während Markus erfolglos den Cache suchte, legte ich mich auf einen kleinen mit kurzem Gras bewachsenen Hang und ließ mich von der Sonne bescheinen. Es war so schön. Leider nur kurz, denn ich musste meinem Mann zu Hilfe eilen und den Cache selbst finden. Wir waren schon kurz vor dem Aufgeben, als ich an einer völlig unscheinbaren Stelle zwei typisch übereinander gelegte Steine fand und darunter die Dose.

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Wieder am Auto angekommen, fuhren wir weiter, wir wollten ja eigentlich noch die Rückreise nach Norden über Inverness antreten und hatten auch noch nicht alle Stationen vom Monster Drive hinter uns. Im Dorf Whitebridge, der so heißt, weil die alte George-Wade- Brücke über einen hässlich schmutzigen Fluss durch die Whitebridge ersetzt wurde (die übrigens auch schon lange nicht mehr weiß ist) war wieder ein Monster Drive Cache.

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Aber hier haben wir lange vergeblich gesucht und mussten uns am Ende geschlagen geben. Und dann machte es irgendwie keinen Spaß mehr. Da die Uhr auch schon kurz vor 5 zeigte und wir ja noch zurück mussten, hörten wir an dieser Stelle auf und kehrten um. In Fort Augustus kauften wir unser Abendessen (leckere Sandwiches, was sonst), fuhren nach Creag Mhor zurück und konnten uns endlich nach Zecken absuchen. Markus hatte 3 am Körper, die ich ihm rauszog, ich war in der Abwehr früher am Tag wohl erfolgreicher, jedenfalls fand sich nicht eine einzige an mir. Was ein Glück.

Nachdem wir unser Abendessen gegessen hatten, ging’s noch unter die Dusche und jetzt genießen wir noch bis zum Dunkelwerden den Blick aus unserem Wohnzimmer auf Loch Meiklie.

13.05.2011

Freitag der 13. brachte uns zum Glück kein Unglück sondern sogar besseres Wetter als gestern. Dachten wir. Wir hatten ja vor 2 Tagen den Monster Drive aufgrund von akuter Unlust abgebrochen und setzten ihn gestern morgen, nach einem wie immer sehr guten Frühstück fort. Hatten wir vorgestern noch mindestens eine halbe Stunde vergeblich den Cache an der Whitebridge gesucht, ging es gestern deutlich schneller von statten. Wir setzten an der gleichen Stelle fort. Ein Blick, ein Bücken, einen Stein aufheben – und dort lag die Dose – Markus war der glückliche Finder. Wie konnten wir so blind sein. So kann’s manchmal gehen und der Tag fing gut an. Genauso gut ging es eigentlich auch weiter. Was nicht so gut war, war leider das Wetter. Gestern hatten wir Regen satt. Immer wieder überraschten und kleine oder große Regengüsse. Eine unserer nächsten Stationen war der Wasserfall von Foyers.

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Hier wollten wir drei Caches finden. Zunächst ging es hier im Wald steil bergab, auf dem Weg zum Wasserfall sind viele Treppenstufen angelegt. Foyers Falls teilt sich in zwei Wasserfälle auf. Zunächst haben wir den unteren besucht, der allerdings wenig beeindruckend war. Oder wir haben falsch geguckt. Es ging immer weiter und weiter runter, dann noch über Straßen und Felder und plötzlich standen wir wieder am Loch Ness, dieses Mal auf der östlichen Seite. Der Blick auf den See ist von allen Seiten spektakulär. Hier fanden wir sogar kleine Strände vor und Markus ließ es sich nicht nehmen, mit den Füßen in das eiskalte Wasser zu steigen.

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Aber dieser Unsinn brachte uns auf eine Idee. Wir wollten nämlich noch einen Earthcache machen, für den wir ein Bild von Nessie abliefern mussten. Nun, Nessie fanden wir leider nicht (allerdings zeigten uns einige Strudel um hohe Steine herum, wie wohl die meisten Bilder entstanden sind), aber wir kreierten einen riesigen Fußabdruck im Kies und fotografierten das als Beweis, dass Nessie ganz nah war.

Noch einen anderen Cache eingesackt und dann wollten wir den langen Weg zum Auto zurück gehen. Dabei überraschte uns ein heftiger Regen, der auf uns niederprasselte. Markus, mein Held, bot mir an, rasch das Auto zu holen und mich unten abzuholen, um mir die endlosen Treppenstufen im Regen zu ersparen. Da er ohne mich wohl auch viel schneller zu Fuß ist, ersparte er sich damit auch eine Menge Regen. Ich wartete währenddessen in einem Bushäuschen, an dem wohl schon ewig kein Bus mehr vorbei kam, auf ihn. Immerhin hatte ich ein Dach über dem Kopf und wurde nicht noch nasser als ich zu diesem Zeitpunkt schon war.

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Nun hatten wir aber immer noch kein Bild von den Upper Falls, denn wir waren ja den anderen Weg gegangen. Als Markus mit dem Auto kam, hörte der Regen gerade auf und wir beschlossen, auch noch den zweiten Teil der Wasserfälle zu besichtigen. Das taten wir dann auch, wieder Treppen abwärts und dann sahen wir in den Felsen die Wassermassen, die sich über 50 Meter in die Tiefe stürzen. Das war schon deutlich schöner als auf der anderen Seite. Nach ein paar Fotos setzte der Regen wieder ein und wir beeilten uns, die Treppen wieder hochzulaufen und ins Auto zu kommen. Weiter ging der Weg Richtung Inverness und wir machten Halt in Dores. Dores hat einen der schönsten Strände des Loch Ness.

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Fast wie am Meer, wenn auch nicht mit Sand sondern Kieselsteinen aufgehäuft. Der See bot heute einen stürmischen Anblick, wir hätten nie gedacht, dass die Wellen auf einem See so hoch sein können. Natürlich wird auch in diesem Dorf versucht, die Geschichte um das Monster von Loch Ness zu Geld zu machen, aber die hässlichen Skulpturen von Nessie mit riesigen Glubschaugen ließen wir stehen.

An einem alten Clansfriedhof machten wir Halt, suchten einen weiteren Cache und schlenderten zwischen uralten Gräbern hin und her. Auch von hier aus hatte man einen wunderschönen Blick auf den See. Ein Stück weiter dann konnten wir Urquhart Castle, an dem wir am Vortag vorbeigefahren waren (übrigens arbeitet hier Mathilda als Fremdenführerin) von der Seeseite aus bewundern. Da der See nicht sehr breit ist, konnten wir viele Details des alten Schlosses sehen. Auch unsere Geschichtskenntnisse wurden an diesem Tag erweitert, denn wir besichtigten noch ein altes Change House, das früher als Gasthaus fungierte, in dem auch die Pferde getauscht werden konnten, wenn sie erschöpft waren. Hier erfuhren wir, dass ein Mann, der für die Bezahlung der Truppen in Inverness zuständig war, vor über 250 Jahren hier ermordet wurde, sein Gold verschwand.

Endlich erreichten wir Inverness und gingen hier noch kurz einkaufen für das Abendessen. Auf dem Rückweg nach Drumnadrochit machten wir noch am nördlichen Ende von Loch Ness Halt. Kaum aus dem Auto, ging schon wieder ein Regenschauer nieder. Wir trauten uns nicht, die Kamera auszupacken und den Strand und die schäumende Gischt zu fotografieren, weil der Regen uns fast waagerecht entgegenschlug. 5km weiter noch ein letzter Cache, dann hatten wir den Monster Drive geschafft. An dieser Stelle fanden wir einen großen Felsen im See, den Markus natürlich erklomm. Von dieser Position aus konnte er sogar Nessie fotografieren (der Regen hatte ja inzwischen wieder aufgehört).

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Zu Hause angekommen kochten wir uns Kaffee und Tee und aßen unser Abendessen. Nach einer langen heißen Dusche ging es dann endlich ins Bett.

Heute morgen wurden wir – wie gewöhnlich – sehr früh wach und nahmen wie immer gegen 8 Uhr unser Frühstück ein. Währenddessen wälzten wir schon die Bücher, um die Unternehmungen für dem Tag zu planen. So was ist nicht einfach. Mathilda brachte uns auch noch ein Buch mit Wanderungen rund um Inverness, in das wir reinguckten und uns dann für die Gegend rund um Beauly entschieden. Das ist nicht weit zu fahren, Markus fand viele Caches dort und außerdem ist eine große Destillerie in der Nähe, die wir besuchen wollten, nämlich Glen Ord. Ich schrieb noch die richtige Reihenfolge der Caches auf, dann ging’s los. Wir besuchten einige Kriegsdenkmäler und liefen kurz durch Beauly, wo wir ein indisches Lokal entdeckten, das wir morgen mal ausprobieren wollen.

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Wir waren auch ziemlich erfolgreich und um 12 war die Hälfte der Cache-Liste abgearbeitet. Zeit für ein kleines Päuschen und einen Drum *lach* Wir meldeten uns im Besucherzentrum von Glen Ord an, buchten eine Führung, sahen uns schon mal im Shop um und schauten, während wir auf unsere Führerin Barbara warteten, einen kurzen Film über die Whiskyherstellung. Auf der Führung erzählte uns Barbara, wie versucht wird, die 6 Geschmacksrichtungen Toffee, Orangenschale, getrocknete Früchte, Ingwer, Sherry und Vanille in einem Whisky zu vereinen. Wir besuchten die einzelnen Stationen, die Mälzerei, dann die großen Tonnen, wo das Bier, „Wash“ genannt, gebraut wird, das dann in 6 großen Destillen in zwei Vorgängen destilliert wird. Dann kamen wir ins Warehouse, konnten dort die Gerätschaften der Küfer bestaunen, die die Fässer zusammenbauen und natürlich scheinbar endlos viele Whiskyfässer, die großen aus Europa, in denen Sherry gereift ist und die kleineren amerikanischen Bourbonfässer, die dem Whisky ein feines Vanillearoma geben. In beide Fässer durften wir mal reinriechen. Am Ende werden aus all diesen Fässern, die mindestens 12 Jahre lagern, dann der endgültige Whisky gemischt und die Flaschen abgefüllt. Glen Ord hat seit einigen Jahren sich ein neues Markenzeichen verpasst und vertreibt seinen Standard-Whisky, den es übrigens in Europa nicht zu kaufen gibt, unter dem Namen „The Singleton of Glen Ord“. Dieser Whisky wird ausschließlich in Asien vertrieben, aber natürlich – für die Besucher der Destillerie besteht natürlich die Möglichkeit, eine der Flaschen zu erstehen. Probieren konnten wir hier übrigens nicht nur die Standardabfüllung, sondern auch Whiskys anderer Marken, die alle der Firma Diageo gehören, probieren und kaufen. Wir entschieden uns für „The Singleton of Glen Ord“, der uns gut schmeckte, nicht zu teuer war, und wann kommt man schon noch mal hier rauf oder nach Asien?

Nachdem wir den Cache direkt an der Destillerie trotz gründlichen Suchens nicht gefunden hatten, fuhren wir weiter. Das Wetter war besser als gestern, zwar mit 10 Grad relativ frisch, aber sonnig, und so beschlossen wir, auch mal ein bisschen zu laufen. Eine kleine Serie, alle relativ nah und leicht zu finden.

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Aber auf das Wetter kann man sich hier nicht verlassen, wir hatten gerade den Rückweg angetreten, fing es wieder an zu regnen. Da ich – in der Erwartung, dass wir ja hier nur kurz für einen Cache aussteigen – meine Jacke im Auto gelassen hatte, wurde mir jetzt doch ganz schön frisch und Markus drängte mir seine Jacke auf. Da der Weg aber wieder steil bergan ging, kam ich hier ganz schön ins Schwitzen und brummelte wieder mal vor mich hin. Aber am Auto angekommen war ich wieder ausgesöhnt und wir fuhren am Glen Affric vorbei nach Hause. Hier angekommen probierte ich gleich mal mein Whisky Fudge, das ich bei Glen Ord gekauft hatte. Leckeres Zeugs! Macht süchtig. Schade, dass die guten Sachen immer dick machen.

Zum Abend konnten wir uns dann nicht so recht entscheiden, was wir essen wollten. Markus hatte eigentlich keine rechte Lust auf Sandwiches, aber letztendlich landeten wir doch wieder im Store von Drumnadrochit. Allerdings haben wir die Entdeckung gemacht, dass viele Restaurants von Sonntag bis Donnerstag ein Early- Bird-Special anbieten und man dann für um die 12 Pfund zwei oder sogar drei Gänge bekommen kann, wenn man zwischen 17 und 18 Uhr essen geht. Da wir gern früh essen, kommt uns das für die nächste Woche sehr gelegen.

Für heute soll hier nun Schluss sein, ich trinke jetzt noch meinen Kaffee, lese einen Hercule-Poirot-Roman und dann geht’s wieder früh ins Bett.

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16.05.2011

Der Tag startet mit nicht so gutem Wetter und so hab ich Zeit, die letzten beiden Tage aufzuschreiben. Vorgestern war unser Destillerie-Tag. Wir gingen ins Speyside, wo sich die meisten der schottischen Destillerien befinden. Wir waren auf der Suche nach einer kleinen, privat geführten Destillerie, die nach herkömmlichen Methoden arbeitet. Außerdem sollte sie natürlich guten Whisky produzieren. Fündig wurden wir nach ca. 2 Stunden Fahrt bei Glendronach. Dort kamen wir um 11 an, pünktlich zum Beginn einer Führung. Nur die anderen Teilnehmer suchten wir vergebens – wir waren völlig allein und bekamen unsere Privattour. Das machte natürlich noch mehr Spaß als in einer großen Gruppe. Die Tourführerin war hervorragend. Geduldig beantwortete sie alle Fragen von uns und erzählte viel über die Historie der Destillerie. Glendronach war genau das, was wir gesucht hatten. Hier wird alles noch von Hand gearbeitet, die Getreidemühle ist noch eine ganz alte, wo ständig die Mahleinstellung überprüft werden muss, die Mash Tun, wo das Malzschrot eingeweicht wird, ist noch ein riesiger alter Holzbottich genau wie die Washbacks, wo die Hefe dem Malzwasser zugesetzt wird und die Gärung stattfindet. Auch die Selektion des Spirits geschieht noch von Hand. Dann erfolgt die Abfüllung in die Fässer und die Lagerung in den Warehouses. Am Ende durften wir dann natürlich probieren. Und zwar was wir wollten! Das ist auch nicht überall üblich. Da wir den 15jährigen Glendronach schon kannten und die Standardabfüllungen ja auch in Deutschland erhältlich sind (das sind übrigens richtig gute Whiskys), waren wir vor allem an Sonderabfüllungen interessiert. Den 18jährigen Standard probierten wir auch und befanden ihn für sehr gut (das wird sicher einer der nächsten, die wir uns zulegen), aber die Abfüllung vom Manager Cask 574, die bei der Führung möglich ist, haute uns um. Richtig alt, holzig, viele Sherrynoten, dunkle Früchte und Schokolade. Unglaublich viele Aromen. Da griffen wir natürlich sofort zu. Abfüllen und Etikett beschriften durfte ich hier auch wieder selbst, so dass wir hier eine richtige Rarität erstanden haben. Auf Empfehlung kauften wir dann auch noch eine Single Cask Abfüllung von 1996.

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Insgesamt war das von allen Führungen die schönste, die wir mitgemacht haben und das nicht nur, weil wir nur zu zweit waren. Die Fülle an Informationen, der Charme der kleinen Destillerie und das besondere Tasting machten sie zu einem Erlebnis.

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Unsere Tourführerin empfahl uns dann noch, zu Glen Garioch zu fahren, was wir auch taten und dort mitten in eine Führung reinplatzten, die gerade begonnen hatte. Glen Garioch hat in letzter Zeit viele Eigentümerwechsel hinter sich, von denen jeder es besser zu machen glaubte. Ich denke, dass es der Destillerie nicht gut getan hat, sich von ihren ursprünglichen Verfahren zu trennen und alles zu modernisieren. Mash Tun und Wash Backs sind jetzt aus Metall, die alte Getreidemühle ist nicht mehr in Aktion, die Rohstoffe werden fertig eingekauft. Der Charme vergangener Zeiten ist hier jedenfalls nicht mehr zu entdecken. Wir kauften hier noch eine Flasche 19jährigen, der also vor der Modernisierung entstanden war, damit waren wir ganz zufrieden. Aber lange hielten wir uns hier nicht auf. Wir wollten noch das Glendronach-Kontrastprogramm erleben! Eine große Destillerie, Glenlivet, war unser Ziel. Dort kamen wir um 15 Uhr an und im riesigen Besucherzentrum buchten wir die nächste Tour, die nur wenige Minuten später begann. Hier ist natürlich alles auf Größe ausgelegt. Die riesige metallene Mash Tun sieht wie ein kleines Raumschiff aus, es gibt 16 riesige Wash Backs, 6 hohe Brennblasen (Glen Livet macht eher leichte Whiskys – das wird durch die Höhe der Brennblasen bestimmt), dominieren den Raum und die Warehouses sind einfach riesig (und das sind nur die, die man hier sehen konnte, Glen Livet hat auch in Dufftown noch Warehouses). Glen Livet füllt übrigens nicht mehr selbst den Spirit in die Fässer, sondern lässt das machen. Dann werden die Fässer wieder angeliefert. Die Warehouses können 18.000 Fässer aufnehmen, im Moment liegen 11.000 drin.

Testen konnten wir am Ende der Tour die drei Standardabfüllungen von 12,- 15,- und 18jährigen Whiskys, gegen Bezahlung aber auch Sonderabfüllungen. Daran waren wir natürlich besonders interessiert und davon kauften wir am Ende auch eine Flasche. Nach der langen Rückfahrt genehmigten wir uns noch ein paar Sandwiches. Whisky hatten wir genug intus, bald fielen wir in tiefen Schlaf.

Gestern wollten wir dann mal die andere Seite von Schottland sehen, die Westküste. Wir beschlossen, die Insel Skye zu besuchen und einmal rundherum zu umfahren. Die Insel ist über eine große Brücke mit dem Festland verbunden, so dass wir keine Fähre brauchten. Weil der Weg dorthin recht weit ist, fuhren wir früh los. Wir hatten uns auch wieder einige Caches rausgesucht, was wir am Vortag vernachlässigt hatten. Bei Regen – der übrigens den ganzen Tag andauern sollte – ging’s los. Unsere Cacherei war sehr erfolgreich, wir fanden alles, was wir suchten.

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So hielten wieder an einem schönem Wasserfall, einem Kriegsdenkmal an und genossen von hoch oben (den Weg mussten wir über wasserüberflutete Wiesen zurücklegen, wobei wir eine Menge Schafe aufscheuchten) den Blick auf Castle Eilean Donan, eine gut erhaltene Burg, 1220 erbaut, die heute ein Museum beherbergt und auf der der Film Highlander gedreht wurde.

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Kurz hinter Donier, dem Dorf, wo diese Burg steht, liegt die Brücke, die zur Insel Skye führt. Auf Skye wie auch der gesamten Westküste, herrscht eine ganz eigene Vegetation. Hier sieht man selten Bäume (ein paar Wälder haben wir gesehen, aber die halten einem Vergleich zu den Wäldern der Highlands nicht stand) viel Heidekraut, wenig Wiesen, alles ist eher grau und braun, während wir hier in den Highlands von grün umgeben sind. So gibt es naturgemäß auch deutlich weniger Nutztiere. Selten haben wir mal ein paar einzelne Schafe gesehen, Rinder fast gar nicht. Die Insel ist auch sehr bergig und von vielen Flüssen und Buchten durchzogen, so dass der Weg rund um die Insel fast immer große Windungen umfasst, was den Weg deutlich verlängert. Auf der Karte sah das alles so klein aus, aber am Ende des Tages hatten wir max. ein Viertel der Insel gesehen. Hier wehte auch ständig ein rauer Wind, was wohl auch ein Grund für die Kargheit der Insel ist. Trotzdem führte uns unsere Cachetour an viele bemerkenswerte Stellen. So hatten wir einen Blick auf das Meer und viel kleine Inseln, die vor Skye liegen, wir sahen hohe Steilküsten, die von Wind und Meer zerfurcht waren und bizarre Formen bildeten. Hin und wieder fanden wir Landschaften, in denen viele kleine Berge von nur wenigen Metern Höhe direkt nebeneinander lagen und grün bewachsen waren.

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Und je länger wir auf der Insel unterwegs war, desto größer wurde meine Angst, mit leerem Tank liegenzubleiben. Eine kleine Eigenheit von Markus ist es nämlich, sein Auto immer fast komplett leer zu fahren. Was nur eine kleine Wunderlichkeit in Deutschland ist, brachte mich im Ausland, das nicht Deutschlands Tankstellendichte hat, schon mehrfach an den Rande eines Nervenzusammenbruchs. Gestern war es dann wieder so weit. Beim Frühstück hatte Andre uns schon gewarnt, am besten vorher noch zu tanken, weil es auf Skye wenig Tankstellen gäbe. Unterwegs dann ständig Hinweisschilder „Watch your fuel“. Und dann waren wir auf hohen Bergen auf Skye unterwegs, keine Menschen, Häuser, Tankstellen weit und breit und der Weg wollte nicht kürzer werden. Selbst als wir gegen 5 Uhr unseren Weg abbrachen und zum Festland zurückkehrten, wollte Markus noch nicht tanken („zu teuer“). Also verabschiedete ich mich von dem Gedanken an einen geruhsamen Abend und sah mich schon über die Kuhweide nach Creag Mhor zurücklaufen. Kurz vor der Brücke zum Festland hatten wir zum Essen angehalten, was sich als eine sehr gute Idee erwies, denn das indische Lokal dort hatte eine riesige Auswahl, war für schottische Verhältnisse recht günstig und das Essen war hervorragend. Indisch essen in Großbritannien ist immer eine gute Idee. Wir kamen auch gar nicht in die Verlegenheit, dass wir – wie im letzten Jahr, als wir zu unserem Essen keine Teller bekamen – niemanden zu uns hätten rufen können, denn wirklich absolut jeder einzelne Kellner kam während des Essens an unseren Tisch und fragte, ob alles ok sei und wir unser Essen genießen würden. Ja, taten wir. Ich hatte ein leckeres Lammcurry mit viel Gemüse und Chili dabei in einer cremigen und würzigen Sauce, fein gewürzten Basmatireis und als Vorspeise Lamm Tikka und Pappadums mit verschiedenen Soßen. Markus hielt sich an die gemischten Pakora mit Minzsauce und hatte als Hauptgericht Lamm Vindaloo, das aromatisch duftete und ihm auch sehr gut schmeckte, mir aber viel zu scharf gewesen wäre.

Den Rückweg machten wir bei strömendem Regen, aber wir wollten – trotz des Tankdesasters, noch einen kleinen Umweg über Fort Augustus fahren und noch zwei Caches finden, außerdem ist hier eine große Tankstelle und Markus hatte die Hoffnung, die hätte noch auf. Hier wird es immer relativ spät dunkel (dafür sehr früh wieder hell), so dass wir dafür auch nach dem ausgiebigen Abendessen viel Zeit hatten. Im Wald war das mit dem Regen auch nicht mehr so schlimm, der erste Cache war schnell gefunden – und die Tankstelle natürlich geschlossen! Also mussten wir mit den verbliebenen 4 Litern versuchen heimzukommen. Auch den letzten Cache fanden wir nach kurzer Suche. An dem hatten wir uns vor einigen Tagen schon mal erfolglos versucht, diesmal beherzigten wir einen Tipp, nicht nur nach unten zu schauen. An einer Birke hing ein Pilz, und der war mit einem Magneten am Stamm befestigt, innen enthielt er einen kleinen Container mit Logbuch. Natürlich hatte dann auch – es war schließlich schon halb 9 am Sonntagabend – die große Esso in Drumnadrochit zu, aber mit den letzte zwei Litern, die hoffentlich noch zurück nach Drumnadrochit reichen – kamen wir auf Creag Mhor an. Während wir den ganzen Tag durch den Regen stapften und fuhren, hatte Andre die Zeit genutzt, unser Zimmer umzugestalten. Neue Bettwäsche (wunderschön), neue Seife im Spender und sogar neue Teppiche! Er ist immer für eine Überraschung gut. Ich las noch ein bisschen auf meinem Kindle, Markus loggte die Caches auf geocaching.com und trank einen Whisky und dann gingen wir glücklich und zufrieden schlafen.

18.05.2011

Heute lassen wir es etwas ruhig angehen, denn das viele Laufen besonders die Berge wieder runter haben mir leider ein dickes schmerzendes Knie eingebracht. Und so sitzen wir jetzt nach dem Frühstück noch hier im Wohnzimmer.

Am Montag wollten wir eine letzte Destillerie besuchen, es zog uns zu Glenmorangie. Glenmorangie ist nach Glenfiddich, Glenlivet und Macallan die viertgrößte Destillerie in Schottland. Glenmorangies Whisky ist sehr fein und weich im Geschmack, und das hat einen ganz bestimmten Grund. Diese Destillerie hat die höchsten Brennblasen in ganz Schottland und – wie wir auf vielen unserer Touren gelernt haben – beeinflusst die Höhe und die Form (das Material ist immer Kupfer) den Geschmack des Whiskys. Nur die reineren Alkoholteilchen gelangen so hoch, um dann im Kondensator wieder verflüssigt zu werden, die schweren Fuselalkohole bleiben eher unten und sind nur dann im Spirit, wenn die Brennblasen niedriger sind, so dass Glenmorangie Whiskys eben sehr fein und leicht schmecken.

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Glenmorangie war bis in die 80er Jahre hinein nur in Schottland bekannt, wurde danach erst zu einem weltweiten Unternehmen. Ihre Fässer füllen sie ausschließlich selbst ab, so dass es keine unabhängigen Glenmorangie-Abfüllungen gibt und dieser Whisky auch nicht in Blended Whisky vorhanden ist (viele Destillerien produzieren einen Großteil für die Blended- Industrie). Nun, allein die großen Brennblasen, die mehr als 5 Meter hoch sind, waren ein Grund für uns, dort einmal hinzufahren.

Auf dem Weg dorthin kamen wir am Cromarthy-Firth, einer großen Meeresbucht, vorbei, über den eine niedrige Brücke geht, die ca. 2km lang ist und die Black Isle mit dem Norden verbindet. Im Cromarty Firth wird nach Öl gebohrt, die riesige Plattform war vom Ufer aus gut zu sehen. Ansonsten ist die Landschaft auch dort sehr schön. Das Gras wächst bis ans Ufer ran, viele kleine Halbinseln ragen in den Meerbusen hinein und den Eingang des Firth schmücken riesige Felsformationen zu beiden Seiten.

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Bei Glenmorangie angekommen buchten wir sofort die nächste Tour, die nur wenige Minuten nach unserer Ankunft startete. Die Grundzüge des Whiskybrennens sind uns ja inzwischen bekannt und ich habe sie hier schon oft genug beschrieben. Trotzdem lernt man auf jeder Tour doch noch neues und interessantes. Die 8 Brennblasen, jeweils 4 für Washstill (hier kommt das „Bier“ rein) und Spiritstill (für den zweiten Brennvorgang) sind riesig und sehr beeindruckend. Die Destillerie ist wirklich sehr groß und das Warehouse sehr beeindruckend. Hier wird hauptsächlich in Bourbonfässer abgefüllt, die genau zweimal benutzt werden. Bei der ersten Füllung wird der Boden rot gekennzeichnet, beim zweiten Mal schwarz. Glenmorangie reift mindestens 10 Jahre. Der Blendmaster gibt dann nach Proben dem Abfüller (das wird nicht mehr in der Destillerie selbst gemacht sondern in Edinburgh) bekannt, wie viele rote und wie viele schwarze Fässer gemischt werden und damit beispielsweise den Glenmorangie Original bilden.

Nach der Besichtigung wurde uns natürlich ein Tasting angeboten. Wir bekamen den Quinta Ruban zu probieren. Dieser reift in Bourbonfässern und wird anschließend in Portweinfässern nachgereift, ein Vorgang, den man „Finishing“ nennt und der auch von Glenmorangie erfunden wurde. Mir schmeckt der Original allerdings besser, auch wenn der Quinta Ruban nicht schlecht war. Aber wir wollten keinen Whisky kaufen, den wir auch in Deutschland bekommen, sondern lieber eine Sonderabfüllung. Da wurden wir auch fündig und als wir bekundeten, dass wir daran interessiert sind, bekamen wir davon auch noch ein Gläschen zum Probieren. Am Ende wurden es dann zwei Flaschen, die in unserer Tüte landeten.

Auf dem Rückweg wollten wir noch ein bisschen einkaufen gehen, also suchten wir uns in Inverness einen Parkplatz und gingen in die High Street. Viel mehr gibt’s da auch nicht, wo man einkaufen kann. Zuerst bummelten wir ein bisschen über die Straße, gingen in ein großes Einkaufszentrum, aber so richtig hat uns nichts gefallen. Auf dem Rückweg kamen wir an einem Lush-Shop vorbei, wo wir uns mit Duschgel, Shampoo, Cremes, Seifen und dergleichen eindeckten, die hier deutlich günstiger als in Deutschland sind. Von den Kosmetikartikeln dieser Firma sind wir beide sehr begeistert, sie werden ausschließlich von Hand hergestellt und von sehr guter Qualität. Da Markus noch auf der Suche nach einem fast ausverkauften Whisky ist, gingen wir hier auch noch mal in ein lokales Whiskygeschäft. Leider gab es den Rosebank von Flora und Fauna auch hier nicht, so dass er leer ausging. Ich dagegen hab nach Herzenslust Shortbread und Fudge eingekauft. Dann ging’s wieder nach Hause, vorher haben wir noch rasch ein paar Sandwiches eingekauft, damit unser Abendessen gesichert war. Auf Creag Mhor angekommen, gab’s dann wie jeden Abend erst mal Kaffee und Tee und für mich die eingekauften Kekse. Richtig dicke Butterkekse, sehr lecker. Nach dem Abendessen gingen wir dann früh ins Bett.

Gestern hatte Markus Geburtstag und natürlich wurde er standesgemäß mit einem Liedchen von mir geweckt. Wir hatten Andre am Abend vorher, als wir schon mal unsere Übernachtungen bezahlt hatten, erzählt, dass Markus 44 wird und prompt war gestern morgen sein Stuhl geschmückt. Hier passt wirklich alles. Andre und Mathilda sind unglaublich gastfreundlich und man fühlt sich wie bei Freunden. Es gefällt uns dort so sehr, dass wir auch gleich wieder für nächstes Jahr gebucht haben.

Gestern sollte wieder ein Geocaching-Tag werden. Nach dem Frühstück haben wir wieder eine ganze Liste rausgesucht und diese dann abgearbeitet. Zuerst ging es wieder Richtung Beauly, dann am Beauly-Firth entlang, später Richtung Inverness, dort über ein Wohngebiet dann in einen kleinen Wald. Klein war der Wald aber er hatte unendlich viele Wege und da ich nicht so gut zu Fuß unterwegs war und Markus mir voranging, passierte das, wovor ich immer Angst hatte – ich ging verloren. Ich hatte zwar das GPS-Gerät und war nicht weit (ca. 300m Luftlinie) vom Parkplatz entfernt, aber ich lief und lief und verpasste dabei immer den richtigen Weg, und das GPS war mir keine große Hilfe, denn jeder Weg, den ich nahm, entfernte sich weiter vom Parkplatz. Am Ende fand ich dann aus dem Wald raus (so lange dauerte es auch gar nicht, auch wenn es mir wie Ewigkeiten vorkam), aber am falschen Parkplatz, so dass ich noch mal über Straßen musste, um den richtigen zu finden. Als ich ankam, war ich in Tränen aufgelöst und Markus musste mir versprechen, mich nie mehr allein im Wald zu lassen. Ich hab leider überhaupt keinen Orientierungssinn und die vielen Kurven, die die Waldwege bildeten, hatten mich völlig in die Irre geführt. Nach diesem Abenteuer machten wir nur noch zwei Caches in Inverness, die aber richtig toll waren.

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Dann fuhren wir nach Drumnadrochit zurück und wollten erst mal gucken, wann Fiddler’s aufmacht, das Lokal, in dem wir essen gehen wollten. Auf dem alten Friedhof nebenan fanden wir dann noch einen Cache, den wir letztes Jahr vergeblich gesucht hatten. Gut Ding will Weile haben. Da es erst halb 5 war, fuhren wir zurück in die Wohnung, ich kochte Kaffee und Tee und ging noch rasch unter die Dusche. Gegen 6 fuhren wir dann zu Fiddler’s, wo wir zum Glück noch einen Tisch bekamen. Das Restaurant ist sehr beliebt und hat wirklich eine hervorragende Küche. Markus hatte als Vorspeise Haggis. Das ist ein schottisches Nationalgericht. Leber, Lunge und Herz vom Schaf werden mit Zwiebel gekocht, gehackt, dann in einen Schafsmagen gefüllt und noch weiter gekocht. Es war leckerer, als die Zutaten erahnen lassen, ich durfte mal probieren und mochte es sehr. Ich selbst hatte mich nicht getraut, es zu nehmen und aß gebackenen Ziegenkäse auf Rote-Bete-Salat mit Frisee und Walnüssen. Das hatte ich im letzten Jahr schon und war sehr gut. Dann gab’s ein Steak vom schottischen Weiderind, das zwar etwas dünn geschnitten aber von hervorragender Qualität war. Das Fleisch war sehr zart, sehr gut zubereitet und von außerordentlichem Geschmack. Fehlte nur noch der Nachtisch, da hatten wir uns für einen Whisky-Cake entschieden. Es war ein warmes Stück Kuchen mit Trockenfrüchten drin, erinnerte geschmacklich an Weihnachten. Eine Kugel Eis und Sahne gab’s auch noch dazu, so dass wir hinterher richtig vollgestopft waren.

Als wir heimkamen, merkten wir schon, dass es deutlich windiger geworden war und nachts wütete ein Sturm, der hier über die Bäume hinwegfegte und mich lange wachhielt. Heute ist es immer noch sehr windig, darum werden wir jetzt nicht in den Wald gehen sondern vielleicht Urquhart Castle besuchen.

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19.05.2011

Gestern war unser „lazy day“. Bis zum Mittag blieben wir in der Wohnung, gammelten rum, lasen, spielten Computerspiele und wollten nicht so richtig weg. Irgendwann brachen wir dann aber doch noch auf. Da es so herrlich windig war, wollten wir mal ans nördliche Lochend, um am Strand die Wellen vom Loch Ness zu beobachten.

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Also setzten wir uns an den Strand, genossen die Sonne und ließen uns den Wind um die Nase wehen. Als wir von der Gischt nass genug waren, machten wir uns wieder auf. Wir wollten noch die Plodda Falls besuchen, die in Richtung Glen Affric zu finden sind. Ganz langsam, wie es sich für Faulenzer gehört, fuhren wir dort hin. Die Wasserfälle stürzen sich 36m am Felsen entlang in die Tiefe. Das Schöne an den Plodda Falls ist die Aussichtsplattform, die direkt über dem Wasser hängt. Hier kann man den Wasserfall von oben beobachten. Wenn man dann den steilen Weg nach unten geht, sieht man erst, wie spektakulär die Plattform wirklich ist, die scheinbar in der Luft hängt. Wir hielten uns eine halbe Stunde auf, liefen umher, machten ein paar Fotos und fuhren wieder los.

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Noch rasch Abendessen besorgen und dann ging’s nach insgesamt nur 3 Stunden wieder heim. Faulenzer-Tag, wie gesagt. Als wir auf Creag Mhor wieder ankamen, war Andre im Garten beschäftigt und sein Hund Mac, ein wunderschöner, großer Weimaraner sprang mit umher. So ließ Markus es sich dann nicht nehmen, ein bisschen mit ihm zu spielen und Stöckchen zu werfen und ich ging auch kurz raus, um den Hund zu streicheln. Nach dem Abendessen, es gab die allseits beliebten Sandwiches, gingen wir früh ins Bett.

Und nachdem wir gestern so faul waren, war heute wieder ein Cachetag dran. Wir wollten nämlich noch Markus‘ Kollegen Rüdiger einholen, der heute morgen noch 6 Caches vor uns lag. Da mussten wir uns ranhalten. Die Route geplant hatten wir gestern schon, heute morgen ging’s dann gleich nach dem Frühstück los. Gleich beim ersten mussten wir aber einen Reinfall erleben, wir fanden die Stelle, wo der Cache liegen sollte, gar nicht erst. Darum hielten wir uns nicht lange auf und fingen mit den nächsten an. Eine kleine Serie namens „Godfather“. Dazu mussten wir ein bisschen durch den Wald laufen. Der erste war schnell gefunden, für den zweien mussten wir noch 600m laufen. Als wir an die Stelle kamen, mussten wir etwas vom Weg ab. Die Stelle war von Moos überwachsen und zwar so weich und tief, dass wir teilweise bis zu den Knien versanken. Das war richtig gespenstisch. Gesucht haben wir eine gefühlte Ewigkeit, während wir in diesem unheimlich anmutenden Wald umherstapften und uns immer wieder aus dem Moos befreien mussten. Der letzte der Serie lag dann auf dem Rückweg in einem umgestürzten Baum, den wir rasch fanden. An der Stelle merkte Markus dann, wie er mich am Dienstag verloren hatte, denn ich lief prompt wieder in die falsche Richtung. Ich bin anscheinend wirklich komplett ohne Orientierungssinn geboren. Man kann nicht alles haben.

Nun folgten zwei weitere kleine Caches und dann eine Serie über General Wade. General Wade war ein Generalkommandeur von England, der in der Schlacht von Culloden (16. April 1746), in der schottische Clansangehörige unter Prinz Charles Edward Stuart (genannt Bonnie Prince Charlie) gegen die englischen Regierungstruppen kämpften und verloren, eine große Rolle spielte. Die Schlacht kennzeichnete das Ende eines Krieges, der die Ablösung der alten schottischen Clansführerschaft bedeutete und Schottland letztendlich in das Reich Großbritannien übernahm. General Wade hatte das schottische Hochland, das zu dieser Zeit kaum durchdringlich war, mit einem Netz von Straßen und Brücken ausgestattet, das den Engländern damals half, das Gebiet zu kontrollieren und die zum Teil heute noch in Betrieb sind. Auf einem Teil dieser alten Heeresstraßen wanderten wir heute entlang, entdeckten einige von ihm gebaute Brücken, die teilweise noch in hervorragendem Zustand sind, und bestaunten Denkmäler, die an die Schlacht erinnerten.

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Prince Charles entkam übrigens in einer 5monatigen Flucht nach Frankreich, und kein Schotte verriet ihn trotz des enormen Kopfgeldes von 30.000 Pfund. Wir hatten viel zu laufen und kamen am Ende des Tages auf 7km, die aber teilweise durch unwegsames Gelände führten. Das Wetter war uns heute gewogen. Der immer noch sehr starke Wind hatte die Regenwolken vertrieben und es lachte die Sonne am Himmel. Nur selten fielen ein paar Tropfen vom Himmel. Gegen halb 3 wollten wir die letzte Cacheserie angehen, mussten aber feststellen, dass die nur zu Fuß zu bewältigen war und viele Kilometer lang war. Wir hätten noch mal mindestens 7km laufen müssen und den ganzen Weg auch wieder zurück. Dafür war es uns zu spät und wir beschlossen, diese Serie auf das nächste Jahr zu verschieben. Zurück in Inverness kauften wir noch unser Abendessen und fuhren dann wieder heim.

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Nach einer langen und heißen Dusche aßen wir zu Abend und nun wird es auch bald Zeit, unsere Sachen zu packen und Abschied zu nehmen, denn morgen früh geht’s wieder heimwärts über Newcastle-upon-Tyne, wo wir die Fähre besteigen und bei Amsterdam wieder den Kontinent betreten werden.

22.05.2011

Wieder zu Hause! Am Morgen hatten wir uns von Mathilda und Andre verabschiedet und stiegen gegen 9:00 ins Auto. Wir hatten also für die fast 500km ca. 6 Stunden Zeit, die wir auch brauchten, denn es ging fast die ganze Zeit über Landstraßen, wo man kaum Möglichkeiten hatte, die langsamen LKW zu überholen. Der Weg zur Fähre zog sich unter diesen Umständen natürlich in die Länge, kein Vergleich zu der freudigen Erwartung bei der Hinfahrt. Aber obwohl der Urlaub wieder wunderschön war, voller Spaziergänge durch grüne Wälder, einer Rundfahrt um Loch Ness, Geocachen in schönster Umgebung und etwas Kultur dabei, freute ich mich auf zu Hause. Endlich wieder bei den Papageien sein, schauen, wie groß die Tomaten und Chilis im Garten geworden sind und natürlich das eigene Bett.

Wir kamen auf die Minute pünktlich an der Fähre an, konnten fast sofort drauf fahren und suchten unsere Kabine auf. Um 18:00 Uhr Kontinentalzeit – also 17:00 Uhr lokaler Zeit legte die Fähre ab. Wir hatten unterdessen ein Plätzchen direkt an einem Fenster eingenommen und bewunderten die Flugfertigkeit der Möwen, die pfeilschnell am Schiff vorbei flogen, den Wind in perfekter Weise ausnutzten, um so energiesparsam wie möglich zu fliegen.

Als wir unterwegs waren, buchten wir zunächst einen Tisch im „Explorer’s“, einem Steakrestaurant auf dem Schiff. Dann gingen wir noch in den Duty Free Laden und kauften ein paar Leckereien. Lakritz für mich und Whisky für den Herrn. Außerdem ein Parfum und eine Geldbörse, die mir gut gefielen. Das Abendessen war hervorragend. Mein Rib-Eye-Steak war so zart, dass es vom Anschauen auseinander fiel. Noch ein Stück Chocolate-Mousse-Pie zum Nachtisch und wir waren dem Himmel ein Stückchen näher. Satt und zufrieden fielen wir in unsere Etagenbetten und hatten leider das Pech, laute Nachbarn zu haben, die irgendwann aber auch aufgaben und Ruhe hielten.

Nach einer langen und heißen Dusche am Morgen, begaben wir uns hinaus und wollten zum Auto, das Schiff hatte inzwischen angelegt. Wir hatten uns zum Glück gemerkt, welches Deck und welche Tür wir benutzen mussten. Da ich mit meinem kaputten Knie keine drei Stockwerke schwer bepackt laufen wollte, fuhr ich mit dem Fahrstuhl, Markus nahm die Treppe. Und – wie sollte es auch anders sein – ich kam wieder mächtig ins Straucheln. Der Fahrstuhl fuhr nur in den 4. Stock, also lief ich eins wieder hoch. Von dort kam ich aber nicht zur Tür 53, denn die lag auf der anderen Seite des Schiffes und es gab keinen Durchgang. Also noch ein Stockwerk hochhumpeln, die Menschenmassen durchdringen und auf der anderen Seite wieder runter. Zum Glück kann ich mich in Gebäuden anscheinend besser orientieren als im Wald, ich fand sogar Markus wieder im Gedränge, der mich voller Panik schon wieder suchen wollte. Endlich am Auto konnten wir dann auch relativ schnell das Schiff verlassen, die Zollkontrolle über uns ergehen lassen und weiterfahren.

Da wir noch nicht gefrühstückt hatten, wollten wir an einem Rasthof Halt machen, wir schafften es sogar noch bis über die Grenze, tankten dort und konnten um 12:30 Uhr unseren ersten Hunger stillen. Nach einer Umleitung, weil die A3 gesperrt war, kamen wir Punkt 16 Uhr zu Hause an. Alle Vögel waren gesund und munter und freuten sich, uns zu sehen. Und die erste Chilischote, eine Long Red Cayenne, ist auch schon reif.

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