Das Leben ist schön

Single-Malt-Steak mit Spargel

Dass wir Maltheads sind, weiß mittlerweile sicher jeder, der regelmäßig meine Beiträge liest. Letzte Woche in Schottland, auf einer kleinen Privattour durch die Destillerie Old Pulteney, haben wir mit unserem Tourguide – einem Mitarbeiter der Destillerie, der nur aus Verlegenheit eingesprungen ist – nach einer wirklich sehenswerten Wanderung durch die Anlage, auch über Essen und Trinken im Allgemeinen geschwätzt und festgestellt, dass wir alle Steaks sehr gern mögen. Er mag es am liebsten, wenn das Steak hinterher mit einem Whisky bestrichen wird. Wir trinken zwar gern mal einen Whisky nach einem opulenten Mahl, aber diese Kombination hatten wir noch nicht ausprobiert. Da wir auch in der Whiskyauswahl einer Meinung waren (GlenDronach rockt), haben wir uns vorgenommen, sein Rezept zu probieren. Die Idee für ein Single-Malt-Steak war geboren. Spargel hatte ich noch von gestern übrig, den gabs ganz normal gegart mit nur etwas Butter als Topping dazu.

Die Ausgangsprodukte waren einmal ein Rumpsteak, ca. 350g, aus Amerika für mich und ein dickes T-Bone vom irischen Weideochsen für Markus.

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Die Steaks waren aufgetaut und auf Zimmertemperatur angekommen, nun gings raus an den Grill. Zum Bestreichen hatte Markus einen besonders guten Whisky ausgesucht, darüber könnt Ihr gleich noch genaueres erfahren. Nur kurz soviel, es ist ein 18jähriger Bunnahabhain, eine Einzelfassabfüllung vom unabhängigen Abfüller A.D. Rattray, natürlich ungefärbt, nicht kaltgefiltert und in Fassstärke, einfach so, wie er aus dem Fass kommt direkt in die Flasche. Nur aus guten Basiszutaten kann auch ein gutes Endprodukt entstehen.

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Also den guten Whisky in ein Schüsselchen gefüllt (hat ja schon ein wenig wehgetan) und dann die Steaks von beiden Seiten mit dem Malt bestrichen. Anschließend habe ich das Fleisch noch mit grobem Meersalz gewürzt.

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Nun gings ab auf die Sizzle-Zone. Markus begann mit seinem T-Bone, weil das deutlich dicker ist und schon allein wegen des Knochens länger benötigt.

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Zum Nachziehen hat er es dann in den auf ca. 100° geheizten Grill gelegt.

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Dann kam mein Steak an die Reihe. Schön kross gegrillt aber keine schwarzen Stellen. So muss das sein. Beim nächsten Mal schneide ich aber den Fettrand und die darunter liegende Sehne vorher ab, denn mitessen tue ich die eh nicht und es verringert die Gefahr, dass sich das Fett beim Heruntertropfen entzündet.

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Nach ca. 20 Minuten hatte mein Steak 55° und Markus lag bei 52°. Passt für uns! Nun wurde das Fleisch noch einmal mit dem Whisky bestrichen, allerdings mit einem frischen Schluck aus der Flasche, weil wir die Kontaminationen vom rohen Fleisch nicht auf dem gegarten Fleisch haben wollten.

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Ein herrlicher Anblick, wie ich finde. Der Whisky gibt nun seinen feinen und sehr besonderen Geschmack an das Fleisch ab.

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Da der Spargel inzwischen auch soweit war, konnten wir das Fest beginnen lassen. Auf dem Teller habe ich das Fleisch noch mit frisch gemahlenem Pfeffer bestreut. Mehr braucht es nicht.

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Die Anschnittbilder zeigen wieder ein perfekt gegartes Steak. Das hat Markus wirklich hervorragend drauf! In keinem Steakhaus schmeckt es mir mehr so gut wie daheim.

SingleMaltSteak

Bei meinem Steak kann man noch sehr schön die Marmorierung des Fleisches erkennen. Und auch dieses ist genau in der Garstufe, wie ich es am liebsten mag.

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Fazit: Vom Grill gibts für uns nichts besseres als ein richtig gutes Rindersteak und die Variante mit dem Whisky hat uns sehr gut geschmeckt. Der ganz leicht torfige und holzige Geschmack hat den kräftigen Fleischgeschmack ideal abgerundet.

Und da wir zum Wochenendausklang nun noch den Bunnahabhain im Glas genießen, kommen dazu noch ein paar Worte von Markus:

Unser heutiger Whisky ist einer der beiden Bunnahabhains, die ich schon vor einiger Zeit gekauft habe.

Bunnahabhain ist die auf Islay beheimatete Destillerie mit der zur Zeit größten Kapazität. Im Gegensatz zu allen anderen Destillerien auf Islay stellt Bunnahabhain ungetorften Malt-Whisky her (nicht nur, aber hauptsächlich). Die Destillerie gehört seit 2003 der Burn Steward Distillers Ltd., denen außer Bunnahabhain noch Tobermory und Deanston gehört. Also wieder mal einen Destillerie in schottischer Hand, wie wir das so mögen.

Am Port Askaig im Osten von Islay gelegen, ist der nächste Nachbar die Caol Ila Destillerie.

Die Flasche, die wir heute zum würzen und genießen genommen haben, ist von A.D. Rattray, einem unabhängigen Abfüller, der das Fass von Bunnahabhain gekauft und in Eigenregie abgefüllt hat. Sie ist eine Single Cask Abfüllung, in Fassstärke (53,7%), nicht kühlgefiltert und natürlich ungefärbt. Der Whisky ist 18 Jahre alt und reifte in einem 1st Fill Sherry Butt. Dieser Whisky hat einen so starker Charakter, dass ich sogar am Steak schmecken konnte, dass es ein Bunnahabhain ist.

Nun zu den Notes (ich habe, wie immer bei Fassstärke Whiskys, etwas Wasser zugefügt):

Nase: Als erstes viel Sherry dann Mango, Papaya, sehr reife Ananas, Honig und ganz hinten ein wenig Torf. Muss vom Nachbarn Caol Ila rübergeweht sein 😉
Geschmack: Süße Sherrytöne, cremige Schokolade, etwas salzig, auch hier wieder tropische Früchte. Lecker!
Abgang: Leider nur mittellang, pfeffrige, dunkle Schokolade und etwas Holz

Meine Bewertung: Wäre der Abgang länger, würde er an den 90 kratzen. So gibt es gute 87 Punkte. Ein toller Whisky, der zudem mit einem Preis um die € 70 noch erschwinglich ist.

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1 Kommentar

  1. Micha

    Haben sie getrunken? – Nein Herr Polizeiobermeister, ich hatte ein Steak 😀

    Die Garpunkte sind herrlich, wobei der vom T-Bone mir noch lieber gewesen wäre.
    Ich trinke auch gerne mal einen Single Malt, Burbon noch viel gerner, den aber nicht zum Genießen 😉

    Auf die Idee, damit ein Steak zu bepinseln, bin ich allerdings noch nicht gekommen.
    Warum eigentlich nicht, wo es doch so nahe liegt!?!

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