Das Leben ist schön

Unsere Weihnachtsente Niedrigtemperatur mit klassischen Beilagen

Kaufen wir doch dieses Jahr lieber eine Ente, eine Gans ist doch für zwei Leute viel zu groß. So ähnlich hatten wir es im November diesen Jahres beschlossen und Markus hat irgendwo bei Michelstadt auch einen Bauern ausfindig gemacht, bei dem wir noch eine Freilandente bestellen konnten. Als wir am 23. dann dort hinfuhren und sie holten, wollten wir unseren Augen nicht trauen, als wir ein fast 4kg schweres Tier in die Hand gedrückt bekamen. Nun denn…. verhungern werden wir also nicht über Weihnachten, schoss es uns in den Kopf.

Am zweiten Weihnachtstag wollte ich die Ente zubereiten und zwar ohne Schnickschnack, ganz klassisch mit Niedrigtemperatur aus dem Ofen von Rotkraut und Kartoffelklößen begleitet. Das Tier war gut gerupft und natürlich auch schon ausgenommen, Innereien lagen dabei und ich hab nur noch Hals und Flügel abgeschnitten, um sie in der Saftpfanne mitzugaren und davon etwas Soße zu gewinnen.

DSC03584
Für die Füllung nehme ich nur Zwiebeln und Äpfel und ich würze die Ente von innen und außen nur mit Salz. Manch einem mag das zu einfach erscheinen, ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass gutes Fleisch nur minimale Würzung braucht.

DSC03586
In die Saftpfanne im Backofen kommen die Flügel und der Hals und noch eine kleingeschnittene Zwiebel, alles mit etwas Salz gewürzt. Nun noch Wasser auffüllen und beim Braten tropft noch Bratensaft unten rein, das gibt eine feine Sauce.

DSC03587
Die nun gefüllte Ente muss natürlich verschlossen werden, ich behelfe mir da immer mit ein paar Holzspießchen, die ich über die Öffnung stecke. Dort kann dann ein Küchengarn drumherumgeschlungen und zugezogen werden. Wenn man am Ende dann die Spießchen rauszieht, fällt das Band von ganz allein ab.

DSC03588
Nun kann die Ente in den Ofen kommen. Ich habe sie bereits morgens fertig gemacht und für eine Stunde bei 200° in den Ofen gelegt, danach regele ich auf 80° runter und lasse die Ente bei Niedrigtemperatur langsam garbraten. So wird sie immer besonders saftig und weich. Hin und wieder übergieße ich sie mit etwas Wasser oder Bratenfond.

DSC03592
Zeit für die Beilage. Ich hatte noch zwei kleine Rotkohlköpfe, die ich in der Küchenmaschine fein geschnitten habe. Ansonsten benötige ich noch eine Zwiebel, zwei Äpfel, etwas Rotweinessig, Salz und Zucker und in das Gewürzsäckchen kommen zwei Lorbeerblätter, 3 Pimentkörner und 3 Nelken. Zum Anbraten steht Schweineschmalz bereit.

DSC03593 DSC03594
Im Schmalz brate ich erst die Zwiebelwürfel schön hellbraun an.

DSC03595
Auch den Rotkohl lasse ich dann kurz mit anbraten und gebe dann die Apfelstücke hinzu.

DSC03596
Ich würze den Rotkohl mit Salz und Zucker und gieße dann mit etwas Essig auf. So bekommt der Rotkohl neben einer angenehmen leichten Säure auch noch seine schöne rote Farbe. Dann noch mit etwas Wasser auffüllen, das Gewürzsäckchen dazugeben und den Rotkohl mindestens 1 Stunde kochen lassen, bis er schön weich ist.

DSC03597
Am Ende öffne ich den Deckel und lasse die restliche Flüssigkeit verkochen, dann ist er fertig.

DSC03602
Zu späterer Stunde bereite ich dann auch die Seidenklöße zu. Die bestehen aus gekochten Kartoffeln und sind ganz ganz seidig und fein, daher der Name. Ich benötige 600g Kartoffeln, 2 Eigelb, 50g Speisestärke und 30g flüssige Butter. Die Kartoffeln gare ich in der Schale ganz weich, pelle sie ab und lasse sie noch mal im Topf etwas ausdämpfen, so dass sie ganz trocken sind. Dann gehts ab durch die Kartoffelpresse – in meinem Fall ist das die Flotte Lotte, in die ich die ganz feine Scheibe (1mm) eingelegt habe. Wenn man eine klassische Kartoffelpresse nimmt, drückt man die Kartoffeln zweimal durch, damit sie wirklich ganz fein sind.

DSC03598 DSC03600
Zu dem Kartoffelteig kommen die beiden Eigelb und werden schön untergearbeitet, am besten mit einem Spatel. Danach wird die Speisestärke ebenfalls mit einem Spatel untergearbeitet und ganz am Ende die Butter. Nicht alle Zutaten gleichzeitig hinzugeben sondern eins nach dem anderen. Dann den Teig mit Salz und Muskatnuss würzen und zu ca. 15 kleinen Klößen formen, besonders gut geht das, wenn die Hände mit Speisestärke eingepudert werden. Die Klöße gebe ich dann in siedendes Wasser (nicht kochen lassen) und lasse sie 15 Minuten ziehen, dann sind sie fertig.

DSC03601
Auch die Ente sieht inzwischen gut aus. Ich hatte sie zwischendurch mal umgedreht und lasse sie am Ende von beiden Seiten noch mal unter dem Grill bräunen. Dabei sollte man unbedingt bei stehen bleiben, weil der Backofengrill so schnell heiß wird, dass die Ente leicht verbrennt, wenn man sie zu lang drunter lässt.

DSC03603
Nach insgesamt 8 Stunden im Ofen ist die Ente nun auch wirklich fertig. Die Haut ist – wie wir beim Aufschneiden merken – total knusprig geworden und das Fleisch ist schön weich und zart, genau so, wie es sein soll. Das Wasser vom Blech habe ich durch ein Sieb gegossen, die Zwiebeln noch etwas durchgedrückt, das oben schwimmende Fett abgeschöpft und die Soße mit Stärke abgebunden.

DSC03606
Die Qualität dieser Freilandente hat uns wieder mal absolut überzeugt und uns wieder einmal gezeigt, dass es gut ist, darauf zu achten, woher man sein Fleisch bezieht. Im Gegensatz zu den Mastenten aus dem Supermarkt haben wir hier nicht nur Haut, Knochen und Fett, sondern schönes und schmackhaftes Muskelfleisch, von dem locker 4 Personen satt geworden wären und ein gutes Gewissen beim Essen. Die Klöße waren ebenfalls sehr gut, sehr fein in Geschmack und Konsistenz und selbstgemachter Rotkohl schmeckt sowieso am besten.

DSC03607

Download PDF

12 Kommentare

  1. Micha

    Ein sehr feines Weihnachtsessen, welches ich mir nur zu gerne gefallen lassen hätte 😉

    Die Idee mit der Ente gefällt mir auch sehr gut, da muss ich mal überlegen,
    die alljährliche Pute durch ein oder ggf zwei Enten zu ersetzen.

    Euch wünsche ich einen guten Rutsch nach 2014

  2. Ratri

    Hallo Kerstin und Markus,
    euer Blog ist prima! Jetzt weiß ich auch wie ich unsere Weihnachtsente dieses Jahr zubreiten werde. Irgendwie kam mir auch der Anlass für eure kulinarische Reise um die Welt bekannt vor… eine sehr schöne Idee!
    Von unseren Reisen bringen wir auch immer wieder neue Eindrücke, Rezepte und Kochbücher mit, die darauf warten ausprobiert oder nachgekocht zu werden… auf unserer Homepage geht es aber hauptsächlich um unsere Reisen: http://www.globetrottel.net/ vielleicht schaut ihr mal vorbei?
    Vielen Dank für die tolle Seite!

    1. kerstin (Beitrag Autor)

      Hallo Ratri,

      vielen Dank für Deinen netten Kommentar. Wir schauen gern mal bei Euch vorbei. Unsere Weltreise findet ja leider zu Hause und ausschließlich kulinarisch statt, aber auch das macht viel Spaß.

      Viele Grüße
      Kerstin

  3. Henry

    Hallo,
    Ein unglaubliches Rezepte, ich freue mich jetzt schon dies nachzukochen.
    Ich habe eine Frage, Sie schreiben: „die Ente war insgesamt 8 Stunden im Ofen“.
    Könnten Sie mir dazu bitte sagen wie sich diese zusammensetzen- 1 Stunde bei 200 Grad und danach 7 bei 80 Grad Celsius?
    Wir reden denke ich von Ober und Unter Hitze ?

    Vielen Dank.

    Gruß Henry

    1. Kerstin (Beitrag Autor)

      Hallo Henry,

      ganz genau 🙂 Erst eine Stunde zum Warmwerden bei 200° und dann 7 bei 80. Je nachdem wie groß und schwer sie ist, reicht auch weniger Zeit, unsere Ente war ja ziemlich groß, fast wie eine Gans.

      Ich wünsche Ihnen gutes Gelingen!

      Viele Grüße
      Kerstin

  4. Alexander

    Hallo,
    Das Rezept gefehlt mir auch sehr gut.
    Ich habe da nur eine Frage, zum Schluss haben sie die Ente noch von beiden Seiten unter dem Grill angebraten bei welcher Temperatur auch bei 80℃ oder wurde die Temperatur erhöht wenn ja auf wievil und welche Zeit vorher bevor die 8 Stunden fertig sind.

    Vielen Dank
    Alexander

    1. Kerstin (Beitrag Autor)

      Hallo Alexander,

      wenn ich bei mir den Backofengrill anschalte, ist die Temperatursteuerung ausgeschaltet, ich habe dann nur die Option zwischen 3 verschieden starken Grillstufen. Bei der höchsten muss ich dann wirklich dabei stehen bleiben, weil hier sehr sehr schnell gebräunt wird. Mir reichen auf dieser Stufe dann wenige Minuten, so dass ich das wirklich ganz am Ende mache, wenn alles andere schon fertig ist.

      Viele Grüße
      Kerstin

  5. Jutta Lind

    Hallo Kerstin,
    wir haben das Enten-Rezept nachgekocht. War phantastisch. Super zart, saftig mit einer wunderbar krossen gebräunten
    Haut. Selten eine so gute Ente gegessen. Und die Sosse war ein Traum. Vielen Dank dafür. War ein kulinarischer
    Hochgenuss und passend für Weihnachten.
    Liebe Grüße
    Jutta

  6. Daniela Kahnke

    Hallo und guten Morgen,
    Das hört sich ja wundervoll an. Ich werde es dieses Jahr Weihnachten gerne mal ausprobieren.
    Ich habe nur eine Frage. Könnte Mann die Garzeit auch auf 2 Tage teilen, also die Ente am erste. Tag schon mal 5 Stunden und dann nächsten Tag noch einmal 3 Stunden?

    Meine Ente wiegt ca. 3kg, wie lange müsste ich die auf 80 Grad im Ofen haben.

    Vielen Dank für eure Antwort.
    Viele Grüße
    Daniela

    1. Kerstin (Beitrag Autor)

      Hallo Daniela,

      das Aufteilen der Garzeit habe ich bei Gänsen schon gemacht – über Nacht bei Niedrigtemperatur in den Ofen, am nächsten Morgen alles eingepackt, zu den Schwiegereltern gefahren und dort noch mal im heißen Backofen aufgewärmt. Kann man also machen. Bei nur 3kg würde ich schon sagen, dass 1-2 Stunden weniger im Ofen nichts ausmachen. Also minimum 6 Stunden würde ich der Ente dann doch geben, das müsste passen. Bei uns gibts dieses Wochenende auch wieder eine Ente vom gleichen Bauernhof aus dem Ofen – ich freu mich schon drauf.

      Viele Grüße
      Kerstin

  7. Karina Ehrke

    Hallo Kerstin, bin gerade dabei meine Ente nach dem Rezept von euch zuzubereiten.. Gart ihr die Ente bei Ober und Unterhitze oder mit Heißluft ?

    1. Kerstin (Beitrag Autor)

      Hallo Karina,

      ich nehme immer Ober- und Unterhitze. Bei Heißluft habe ich immer etwas Angst, dass das Fleisch trocken wird.

      Viele Grüße
      Kerstin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.