Das Leben ist schön

Hüftsteak vom irischen Weideochsen mit Montreal-Spice-Butter

Nach bestimmt 3 Jahren des Hin-und Herüberlegens haben wir uns letztendlich entschlossen, uns ein Dörrgerät zu kaufen. Ich trockne, bisher im Backofen, sehr gern Suppengemüse für Gemüsebrühpulver, ich mag getrocknete Früchte und Tomaten und vor allem lieben wir Trockenfleisch, Beef Jerky. Letzteres war auch so ziemlich das erste, was wir im Dörrgerät gemacht haben. Markus hatte extra ein besonders gutes Stück Fleisch gekauft, nämlich eine Hüfte vom irischen Weideochsen. Ein Stück von dieser Hüfte, nämlich das Hüftfilet, hab ich aber nicht dem Trocknungsprozess übergeben, sondern für heute abend zum Abendessen zurückgehalten. Wir lieben ja Steaks. Immer und immer wieder. Saftige Ribeyes, Rumpsteaks mit dem schönen krossen Fettrand, auch Flanksteaks oder Tafelspitz gehören zu unseren Lieblingsfleischsorten. Aber auch zu einem eher mageren Hüftsteak sag ich nicht nein. Und so freute ich mich auf das Abendessen heute ganz besonders, denn Hüftsteak hatten wir lange nicht.

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Das Hüftfilet ist der kleinere Teil neben der Sehne, die durch eine Hüfte hindurchgeht und die unbedingt entfernt werden sollte. Das große Stück (etwa 2/3) wurde zu Beef Jerky und das Hüftfilet habe ich in 6 dicke, wenn auch kleine Steaks geschnitten. 3 davon etwas größer, 3 etwas dünner und kleiner. Die Verteilung stand also fest.

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Worauf es uns bei der Zubereitung eines Steaks ankommt? Die Oberfläche sollte gut geröstet sein, innen sollte es aber möglichst gleichmäßig rosa gegart sein. Steaks, die von außen nach innen sämtliche Schattierungen von grau über rosa nach rot annehmen, sind einfach nicht gut gegrillt. Die gleichmäßige Garstufe erreicht man, indem man die Steaks außen sehr heiß aber auch sehr kurz angrillt und dann bei niedriger Temperatur langsam garziehen lässt. Für das äußere Grillen eignet sich beim Gasgrill die Sizzlezone besonders gut. Da kommen die Steaks zuerst drauf.

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Nach 1,5 Minuten werden sie gewendet und nach weiteren 1,5 Minuten gehen sie in den auf ca. 120° vorgeheizten Gasgrill, wo sie bei indirekter Hitze fertiggaren.

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Markus kümmert sich um die Steaks und ich kümmere mich um die Beilagen. Heute gibts nur Brot, das ist bereits fertig gebacken. Bisschen mager eigentlich, darum beschließe ich, noch rasch eine Steakbutter herzustellen. Besonders gut schmeckt mir Butter mit Montreal-Spice Gewürz gemischt.

Die Gewürzmischung habe ich mir vor einiger Zeit mal zusammengestellt, anbei das Rezept

2 EL Paprikapulver
2 EL grob gemahlener schwarzer Pfeffer
2 EL Salz
1 EL Knoblauchgranulat
1 EL Zwiebelgranulat
1 EL gemahlener Koriander
1 EL gemahlener Fenchel (eigentlich gehört Dill rein, aber ich hatte keinen Dill und mit Fenchel schmeckt es mir noch besser, als es das mit Dill getan hätte)
1 EL Chiliflocken

Für die Steakbutter habe ich ca. 50g Butter in der Mikrowelle leicht angewärmt, so dass sie schön streichfähig war und dann ungefähr 1 TL der Gewürzmischung untergerührt. In Frischhaltefolie zu einer kleinen Rolle geformt kam sie noch eine Zeit in den Kühlschrank, bis die Butter wieder durchgehärtet war. Dann hab ich die Rolle in 6 kleine Scheibchen geschnitten.

Markus hatte inzwischen die fertigen Steaks auf unsere neuen Brettchen platziert, seine drei großen, meine drei kleinen. Dazu eine Scheibe Brot und pro Steak ein Stück Butter habe ich dazu angerichtet.

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Die Steaks haben wir noch mit Salz und Pfeffer gewürzt, dann der Anschnitt. Ich habe vorhin geschrieben, dass Hüfte nicht so zart ist wie Filet. Für dieses irische Stück Fleisch muss ich die Aussage zurücknehmen. Selten habe ich ein so zartes Stück Fleisch gegessen. Der Garpunkt ist perfekt, sehr gut gemacht, mein Schatz!

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Die Butter mit dem Montreal Spice ist der ideale Begleiter für das Steak.

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Das Fleisch ist von einer außergewöhnlich guten Qualität. Es tritt so gut wie kein Saft aus beim Anschnitt, der bleibt fast komplett im Fleisch. Es ist saftig, es ist zart, es zergeht auf der Zunge. Mit dem selbstgebackenen Brot zusammen ein rundherum perfektes Abendessen!

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Ihr wisst inzwischen, was nach einem guten Essen dazugehört? Ich übergebe an Markus.

Unser heutiger Whisky „is a beauty“ 🙂

Der Laphroaig Càirdeas 2012.

Laphroaig (gespr.: Lafroik) ist eine auf Islay befindliche Destillerie, gegründet 1815. Als typische Islay Destillerie stellen sie stark getorften Whisky her. Auf den Etiketten der Flaschen steht „The most richly flavored of all Scotch whiskies“

Es ranken sich eine Menge Legenden und Geschichten um diese Destillerie, es gibt sogar ein Buch darüber (und das ist nicht von der Marketingabteilung von Laphroaig geschrieben worden): „The Legend of Laphroaig“. Eine der Legenden ist, dass Laphroaig der einzige Alkohol war, den man während der Prohibition in Amerika legal kaufen konnte. Und zwar in den Apotheken. Durch den phenolischen Geschmack des Whiskys ging er als Medizin durch.

Laphroaig ist eine der wenigen Destillerien, die eine ungerade Anzahl von Stills (Brennblasen) haben. Normalerweise gehören immer eine Washstill und eine Spiritstill zusammen. Laphroaig hat sieben Stills, 3 Washstills und 4 Spiritstills. In den ersten 10 Jahren des neuen Jahrtausends war Laphroaig der am meisten verkaufte Islay Whisky.

Nun zum Laphroaig Càirdeas 2012. Im Newsletter über den er beworben wird steht, dass er aus Fässern zwischen 13 und 21 Jahre alt und einem 7 Jahren alten Whisky, der direkt nach der Destillation im Quarter Casks abgefüllt wurde, besteht. Quarter Casks sind Fässer die deutlich kleiner sind, als die normalen Bourbon- oder gar Sherryfässer. Die Quarter Casks wurden in früheren Zeiten zum Schmuggeln vom Whisky benutzt, da sie leichter zu bewegen waren und nicht so auffielen. Dadurch, dass diese Fässer kleiner sind, kommt eine größere Menge des Spirits mit der Fassoberfläche in Berührung und der Whisky reift dadurch entsprechend schneller. Der Whisky ist nicht kühlgefiltert und hat eine Stärke von 51,2 %

Càirdeas ist ein gälisches Wort und bedeutet Freundschaft. Der Whisky wird nur an Freunde von Laphroaig verkauft. Es ist aber einfacher, Freund von Laphroaig zu werden, als ein Flanksteak unter € 20 zu bekommen 😉

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So, genug gelabert, hier nun meine Tastingnotes:

Nase: natürlich Torf und Rauch, sehr medizinisch, ich rieche Zitrusfrüchte, grüne Äpfel, Kaki (Sharonfrucht). Das ganz in einer Meeresbrise. Wenn ich die Augen schließe, denke ich, ich stehe im nassen Heidekraut an der Küste von Schottland. Je länger man riecht, desto mehr gerät der am Anfang sehr dominante Torf und Rauch in den Hintergrund und die andere Aromen kommen in den Vordergrund. Ganz toll! Ich bin jetzt schon begeistert.

Geschmack: Ups. Überhaupt nicht medizinisch im Antritt. Ich bin überrascht. Man schmeckt zwar den Rauch und Torf, aber bei weiten nicht so stark, wie ich vermutete. Aber nach einer Weile kommt die phenolische Note doch durch. Süß ist der Whisky, Äpfel schmecke ich, Mandarinen, gesalzene Zitronenschalen, Lakritzschnecken. Ein weicher Whisky, er rollt geradezu durch den Mund.

Abgang: Sehr lang. Salzig. Bei mir hinterlässt er ein Glücksgefühl.

Das ist ein toller Whisky. Der beste Laphroaig, den ich bisher probieren durfte. Es ist schade, dass viele dieser Flaschen in Sammlervitrinen landen werden. Leute, das ist ein Spitzenwhisky, trinkt ihn, genießt ihn. Nur zum Anschauen ist der zu schade.

93/100 Punkten.

Eine absolute Kaufempfehlung! Für € 62,50 inkl. Versand bekommt man zur Zeit keinen besseren Whisky.

 

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